Nachdem wir Rom verlassen hatten, fuhren wir in Richtung Norden nach Bormazo. Immer wieder kamen wir durch schöne, toskanisch anmutende Kleinstädte und Dörfer, die für sich schon einen Besuch wert wären. In Bormazo jedoch wollten wir eine Besonderheit von ungewöhnlicher Art besichtigen. Hier ließ der Prinz von Orsini seiner Kreativität freien Lauf und schuf in einer Parkanlage Skulpturen und Statuen besonderer Art. Der Park wird auch „ Park der Monster“ genannt und tatsächlich muten einige der Figuren, die oft aus der griechischen Sagenwelt stammen, monsterhaft an.
Es finden sich aber auch andere Werke, zum Beispiel ein schief gebautes Haus, das dem Gleichgewichtssinn einen Streich spielt, oder ein einem Tempel nachempfundenes Gebäude. Die Skulpturen sind aus einem Stück aus dem hier an die Oberfläche tretenden Gestein gehauen und zeugen nicht nur von großer Kreativität sondern auch von großer Geschicklichkeit und wohl auch Ausdauer.

Knick in der Optik ?!

Nachdem wir den Park verlassen hatten wartete noch eine besondere Überraschung am Wegesrand auf uns. 2015 war Madeleine im Rahmen ihres Studiums auf einer Kunst – Exkursion in Civitella d‘ Agliano, einer alten Stadt in der Toskana, die sie mit ihrer verwinkelten Altstadt und den schönen Ausblicken begeistert hatte. Als wir nun an einer Kreuzung standen, an der wir eigentlich nach rechts abbiegen sollten, zeigte ein Straßenschild den Ort 5Km zu unserer Linken an. Ohne groß zu überlegen bogen wir nach links ab und statteten dem Ort einen Besuch ab. Madeleine gab eine kleine Stadtführung durch den wirklich schönen, verträumten Ort. Wir tranken noch einen Kaffee in einer Bar und setzten dann unseren Weg fort.

Den Abend und die Nacht wollten wir an einem Ort in der toskanischen Hügellandschaft verbringen, der einen guten Ausblick auf die so typischen Alleen aus Zypressen an deren Ende eine Villa Rustica, ein Landhaus, steht, bieten sollte. Allerdings ist die Landschaft zu dieser Jahreszeit sehr kahl, die Äcker sind braun und da Laubgehölze fast völlig fehlen, gab es wenig farbige Akzente. Allerdings fanden wir einen sehr schönen Platz mitten in den Hügeln, der trotz der wenig ausgeprägten Farben eine schöne Aussicht bot.

Toskanafeeling….

Leider ist zur Zeit alles Braun

Der nächste Morgen begann leider wieder etwas bewölkt und auch die herbstliche Kühle bemerkten wir hier schon sehr deutlich. In Siena legten wir den nächsten Zwischenstopp ein. Mit Absicht hatten wir diese Stadt, der Hauptstadt der Toskana, Florenz, vorgezogen. Auch wenn sie auf den ersten Blick weniger Kunstgegenstände, Skulpturen und Monumente bietet, begeistert sie doch durch die Architektur, die plötzlich zwischen den Häusern auftauchenden Plätze und ihre verwinkelten Altstadtgassen. Wir schlenderten durch die Stadt und aßen in einem Café zu Mittag. Sogar das Wetter war wieder besser geworden, auch wenn es noch immer recht kühl war.

Später am Nachmittag gingen wir noch ein paar Schritte durch Volterra, das oft als eine der schönsten Städte der Toskana genannt wird. Auch hier bestaunten wir wieder die altehrwürdigen Gebäude, Plätze, Kirchen und Straßen. Die Stadt wirkt noch wie aus dem Mittelalter. Dieser Eindruck ist so authentisch, dass er wohl gerne als Filmkulisse genutzt wird. Auch bei unserem Besuch wurde eine solche eben auf dem Marktplatz abgebaut, leider wissen wir nicht, welcher Film oder welche Szene dort gedreht wurde.
Doch so richtig hielt es uns nicht in der Stadt, für eine Übernachtung war es noch zu früh und so fuhren wir weiter. Die sanften Hügel der Toskana zogen langsam an uns vorbei und wurden von der immer tiefer stehenden Sonne in ein warmes Licht getaucht. Immer ländlicher wurde es und als wir uns auf die Suche nach einem Platz für die Nacht machten, fanden wir einen solchen abgelegen auf einer Wiese, die wir nur nach längerer Fahrt auf einem Feldweg erreichten. Die Nacht verbrachten wir dann auch recht ruhig mit dem Wissen, dass dies wohl unsere letzte Nacht im „richtigen“ Italien werden sollte.

Ein letzter Blick in die schon herbstliche Toskana…

Am nächsten Tag traten wir die lange Fahrt nach Hause an. Natürlich mischte sich schon seit längerer Zeit immer mehr die Vorfreude unter die Gedanken wann immer diese in Richtung Heimat schweiften, aber etwas wurde es einem auch wehmütig ums Herz. In den vergangenen Wochen haben wir eine Routine für das Leben im Bus entwickelt, haben gelernt mit den vielen Einschränkungen zu leben und aus dem eingeschränkten Haushalt das beste zu machen. Dabei haben wir oft einiges vermisst, nie aber ein Mangel an Freiheit beklagen können. Dabei wurde immer klarer, dass diese Freiheit durch die Aufgabe von Gewohnheiten, Luxus und Ansprüchen gewonnen wird. An den schönsten Plätzen gibt es kein W-Lan und manchmal auch kein Mobilfunknetz – aber einen weiten Horizont und das Meeresrauschen im Ohr. Im Hinterland Montenegros, nach Stunden auf einsamen und schlechten Straßen bekommt man eine Ahnung der Weite, die die Welt noch bietet – wenn man bereit ist auf Dusche und WC zu verzichten. Es scheint als sei dies etwas Universales, je größer der Verzicht, desto größer die mögliche Freiheit. Natürlich lässt sich das auch ad absurdum führen, wenn man es auf die Spitze treibt und dennoch bleibt die Ahnung, dass das einzige, was einem vom echten und puren Erleben trennt, die eigene Gewöhnung an die Bequemlichkeiten und Annehmlichkeiten unseres modernen Lebens ist. Auf Reisen bewegt man sich zwischen diesen beiden Polen, dem Verlangen nach gewohntem und bekannten auf der einen Seite und der Neugier nach einer neuen Welt, einem neuen Horizont auf der anderen.

Der Tag verging mit fahren, da wir keine Autobahnen benutzten und auf die Nebenstraßen angewiesen waren, kamen wir nur langsam voran. In der zweiten Tageshälfte durchquerten wir die Poebene, eine bis zum Horizont flache, landwirtschaftlich geprägte Fläche.
Es war so diesig und nebelverhangen, dass wir die vor uns befindlichen Berge gar nicht wahrnahmen, als die Straße kurz nach Verona plötzlich zwischen den südlichen Ausläufern der Alpen wieder anstieg. Es dämmerte und wurde schließlich dunkel, bis wir einen Platz etwas abseits der Straße für die Nacht fanden.
Die Nacht war kalt und kurz, am nächsten Tag wollten wir die restlichen Kilometer bis nach Hause hinter uns bringen. So fuhren wir um 7 Uhr ohne Frühstück weiter, um dieses erst an einer sonnigen Stelle und in einem aufgeheizten Bus zu uns zu nehmen. Wir waren nur wenige Kilometer gefahren als mir auffiel das der Drehzahlmesser nicht funktionierte. Ein zweiter Blick zeigte, dass das Batterie Symbol ebenfalls leuchtete. Madeleine schaute im Handbuch nach, welche Folgen zu erwarten waren, und schnell kamen wir zu dem Schluss, das Lämpchen lieber nicht zu ignorieren und anzuhalten. Einer glücklichen Fügung war es zu verdanken, dass wir, in dem Moment als wir im nächsten Ort von der Schnellstraße abfuhren, eine Autowerkstadt entdeckten. Auf dem Hof standen einige VW Busse und es wurde schon fleißig gewerkelt, wir hielten und schilderten das Problem worauf der Werkstattmeister einen Defekt der Lichtmaschiene vermutete und dies im weiteren Verlauf auch bestätigt fand. Er telefonierte sofort herum um eine Lichtmaschiene aufzutreiben, leider vergeblich. Eine neue könnte er aber bis Morgen Mittag bestellen. Allerdings wollte er sich das Problem noch genauer ansehen, eventuell müsste man nicht die gesamte Lichtmaschine tauschen sondern nur ein Teil ersetzten. Wir machten uns allerdings schon mal mit dem Gedanken vertraut die Nacht und den nächsten Vormittag in einem Vorort Bozens verbringen zu müssen. Da uns die Zeit außerdem etwas lang wurde beschlossen, wir im Ort einen Kaffe trinken zu gehen und das Beste aus der Situation zu machen. Als wir am Mittag wieder zurück zur Werkstatt kamen, um uns nach dem Stand der Dinge zu erkundigen, gab es tatsächlich gute Nachrichten! Das defekte Teil konnte getauscht werden ohne das gesamte Bauteil auszuwechseln – und zwar noch heute ! Zwar stellt das eine Notlösung dar, ohne Garantie auf eine lange Laufzeit aber wir würden günstig und vorallem schnell nach Hause kommen. Dankbar gingen wir auf das Angebot ein, unternahmen noch eine kleine Wanderung in den umliegenden Bergen und als wir kurz nach 15:00 Uhr wieder zurück kamen, stand der Bus einsatzbereit vor der Werkstatt. Wir waren glücklich und dankbar für die Mühe, die Umstände und die schnelle Lösung des Problems. Es war wirklich ein unglaubliches Glück, dass wir ausgerechnet vor einer Autowerkstatt zum stehen gekommen waren, und dazu auch schon in deutschsprachigen Gebiet und bei einem Mechaniker, der sich quasi auf T4 spezialisiert hatte. Seine Reaktion auf unseren Dank war: Wir T4-Fahrer müssen doch zusammenhalten! Wenn das mal keine Fügung war… 😉

So konnten wir, nachdem wir uns herzlichst bedankt hatten, unsere Fahrt in die Heimat fortsetzen. Über Meran und den Reschenpass ging es, inzwischen natürlich im dunkeln, in Richtung Norden. In Samnaun legten wir noch einen günstigen Tank – Stopp ein, bevor wir uns auf die letzte Etappe begaben. Ein Vorteil der nächtlichen Reise waren die freien Straßen und so bogen wir kurz nach 0:00 Uhr am 23.11.2017 in unsere Hofeinfahrt, stellten den Bus ab und waren daheim. So plötzlich, so unerwartet. Ohne Übergang waren wir aus der Reisewelt aufgetaucht, alles fühlte sich vertraut an, wie wenn man kaum weg gewesen wäre. Irgendwie immer ein komisches Gefühl aber das war auch der Moment, auf den wir uns in den letzten Tagen so oft gefreut hatten. Fest steht, reisen ist die eine Sache – wieder heimkommen die andere. Wir freuen uns auf den Alltag und die kleinen Dinge, die wir so oft vermisst haben. Ein paar Tage wird es wohl brauchen, bis sich alles „gesetzt“ hat und wir wirklich angekommen sind. Und für eine ganze Weile wird uns die Erinnerung an die hinter uns liegenden Wochen genügen – bis einen eines Tages wieder das Reisefieber packt….


1 Kommentar

David · 27. November 2017 um 22:40

Na dann, herzlich willkommen zurück in Deutschland.
Es war wunderschön euren Blog zu lesen und so selbst einen Einblick in diese nahen und gleichzeitig auch irgendwie sehr fernen Länder zu bekommen.
Danke, dass ihr euch diese Mühe gemacht habt!

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