Machen Sie Eindruck – mit Ultraweitwinkel ! So lautet der markige Spruch auf der Nikon homepage, mit dem der Hersteller das Anfang 2017 vorgestellte Objektiv bewarb. Und tatsächlich kann man sich dem Bildeindruck eines Ultraweitwinkel nur schwer entziehen – vorallem bei Landschaftsaufnahmen bekommt man mit der weitesten Einstellung 10mm einfach unglaublich viel auf den Sensor!

Bis jetzt habe ich ein Sigma 17-50 mm f2,8 für Landschaftsaufnahmen und auf Reisen benutzt. Als Nikon jedoch das AF-P 10-20mm vorstellte wusste ich das ich das mal gerne ausprobieren würde. Die Vorteile liegen für mich auf der Hand. Es ist leicht ( 230g, Herstellerangabe ), klein und bietet für Landschaft und Reise einen extremen Weitwinkel dem man so sonst eher selten findet – und das alles zu einem für Nikon sehr günstigen Preis ! Nachteile sah ich in der eher geringen Lichtstärke von f4,5-5,6 und dem Plastik Bajonett. Der Bildstabilisator ist natürlich für den Preis super und wegen der Lichtstärke vielleicht auch sinnvoll aber bei einer Brennweite von max 20mm hätte sich auch etwas mehr Lichtstärke und dafür kein Bildstabilisator angeboten. Dazu ist der Bildstabilisator nicht wie bei meinen anderen Nikon Objektiven mit einem Schalter abschaltbar sondern kann nur über das Kamera Menü abgeschaltet werden. Diese Funktion bieten aber nur die höherpreisigen Modelle, will man die Linse auf einer D3400 nutzen oder einem älteren Modell kann man den Bildstabilisator nicht ausschalten. Bei Landschaftsaufnahmen, wo man sowieso vom Stativ aus arbeitet ist das eher ungünstig da ein eingeschalteter Bildstabilisator bei vollkommener Ruhe der Kamera auch eher zu mehr Unschärfe führen kann. Ich konnte jedoch diesbezüglich keinen großen Nachteil erkennen und verwende das Objektiv ohne Probleme auf einem Stativ. Beim Thema Landschaftsfotografie relativiert sich auch die geringe Lichtstärke wieder, um mehr Schärfentiefe zu bekommen will man die Optik sowieso abblenden. Ich verwende meist Blende 8 bis 11 , der Vorteil liegt wie gesagt in der höheren Schärfentiefe aber auch in der etwas gesteigerten Auflösung und Bildqualität.

So schnürt Nikon hier also auf dem Papier ein gelungenes Packet aus extremem Weitwinkel und geringem Preis, doch was leistet das Objektiv beim wichtigsten Kriterium, der Bildqualität ?

Bildqualität

Vorneweg muss natürlich gesagt sein das der Qualitätseindruck sehr subjektiv ist, da ich keine Messwerte habe und einfach nach dem Eindruck der Bilder auf mich urteile. Die Beispielsbilder wurden aus einer RAW Datei in LR entwickelt, leicht geschärft und mit der automatischen Korrektur versehen ( als Objektiv wählte ich hier das 10-24mm da es für das neue 10-20 noch kein eigenes Profil gibt. )

Wasserfall im Triglav Nationalpark. Nikon AF – P 10-20mm f4,5-5,6 bei f8 / ISO 100 / 1/80s

Aus diesem Bild sind folgende Ausschnitte in der 100% Ansicht.

Ecke oben Links bei 100 % Auffällig hier sind die Farbsäume an den Senkrechten Ästen. Ein klick in Lightroom entfernt diese, ich habe sie jedoch für das Testbild belassen damit man sich eine Meinung über die Ausprägung bilden kann.

Ecke Oben Rechts bei 100%.

Ecke Unten Rechts bei 100%.

Ecke Unten Links bei 100%.

 

Freistellen und Bokeh

Zugegeben, das Thema Freistellen ist bei einem Ultraweitwinkel eigentlich zu vernachlässigen. Da das Objektiv allerdings eine extrem geringe Naheinstellgrenze von nur 0,22m besitzt, ist es dennoch möglich Objekte freizustellen. Das Bokeh, also der unscharfe Hintergrund / Vordergrund des Bildes sind natürlich wegen der relativ kleinen Blendenöffnung nicht ganz so schön weichgezeichnet wie beispielsweise beim 35mm f1,8 oder ähnlichen Linsen. Im Bild unten ist ein Beispiel der Freistellungsmöglichkeiten zu sehen.

 

Schopf – Tintling (Coprinus comatus ) im Triglav Nationalpark. Nikon AF-P 10-20mm f4,5-5,6 @ 18mm / 1/60 sek / f8 / ISO 320

Ultraweitwinkel

Wer sich dieses Objektiv zulegt will wahrscheinlich vorallem eins: Landschaftsaufnahmen machen. Wenn man ehrlich ist kauft man sich das Objektiv nicht wegen der 18mm oder der 20mm Brennweite sondern wegen der 10mm ! Für DX ist es schwer ein Objektiv in diesem Brennweitenbereich zu finden das kein fisheye ist und deswegen ist diese Brennweite die eigentlich interessante. Wenn ich mir die Bilder anschaue die mit der Linse bis jetzt entstanden sind konnte ich feststellen das der größte Teil davon mit 15mm oder weniger aufgenommen wurde. Hier ein paar Beispiele der 10mm Einstellung.

 

Verarbeitung und Qualität

Auch wenn das geringe Gewicht, die großzügige Verwendung von Kunststoff vorallem am Bajonett und der Preis das Objektiv eher im unteren Einsteigerbereich ansiedeln, kann ich über die Verarbeitungsqualität nichts negatives sagen. Wenn man das Objektiv in die Hand nimmt macht es einen soliden Eindruck, es klappert nichts und die Gegenlichtblende sitzt satt und mit einem hörbaren „Klick“ auf der Linse. Der Zoom und der Fokus Ring laufen leicht, der Fokus Ring sogar etwas zu leicht für meinen Geschmack. Ich habe die Optik zwei Monate auf unserer Hochzeitsreise über den Balkan auf ihre Robustheit testen können. Dabei wurde sie auf den Schlaglochpisten Albaniens durchgeschüttelt, zwischen Ausrüstung und Zusatzbekleidung im Rucksack während einer Bergtour auf den Triglav transportiert, musste Wind und gelegentlichen Regen genauso abkönnen wie kalte Nächte und Kondenswasser im Auto. All das hat es klaglos überstanden, es funktioniert noch genauso tadellos wie am ersten Tag.

Hier ein paar Bilder vom Nikon AF-P 10-20mm f4,5-5,6 G

Fazit

Am Anfang wollte ich es nur ausprobieren, die 17mm an meinem Sigma waren mir bis dahin genug ! Doch wie so oft weis man erst was einem fehlt wenn man es einmal getestet hat 🙂 Jedenfalls beeindruckte mich der krasse Weitwinkel schon bei den ersten Bildern und wenn ich an die Möglichkeiten der bevorstehenden Reise dachte war mir klar das ich es wohl behalten müsste. Ich habe den Kauf nicht bereut ! Es bring neuen Schwung und Gestaltungsmöglichkeiten in die persönliche Fotografie  –  wenn man gerne Landschaften und Architektur fotografiert, wo 10mm Brennweite Sinn machen ! Mit der Bildqualität bin ich zufrieden auch wenn man etwas mit Farbsäumen an kontrastreichen Kanten zu kämpfen hat. In der Nachbearbeitung benötigt es jedoch nur einen klick in LR um mit dem Problem fertig zu werden. Es ist wohl nicht das schärfste Objektiv das Nikon jemals produziert hat – gemessen am Preis passt die Leistung aber auf jeden Fall. Zudem finde ich hält sich der Schärfeabfall von der Mitte zu den Ecken in Grenzen, das Bild mag zwar insgesamt nicht so scharf werden wie mit einem Profiobjektiv, dafür fallen die Ecken aber auch nicht negativ auf – ein Plus in der Landschaftsfotografie !