Jeder der gerne draußen fotografiert und sich dabei nicht auf eine Kompaktkamera in der Jackentasche beschränken will, stellt sich irgendwann einmal die Frage: “ Wie transportiere ich die ganze Ausrüstung eigentlich am besten ?“. Noch schwieriger wird es wenn man nicht nur einige Stunden umherstreifen will sondern einen ganzen Tag unterwegs ist oder sogar eine Übernachtung ( auf einer Hütte oder auf einer mehrtägigen Wanderung ) mit eingeplant. Es muss also ein Rucksack her der sowohl meine Nikon DSLR mit einigen Wechselobjektiven als auch nötigen Kleinkram aufnimmt. Dazu sollte er robust genug für den Outdooreinsatz sein und ein geeignetes Design ohne unnötigen Schnickschnack aber mit allen nötigen Details besitzen. Seit einiger Zeit konnte ich den FlipSide Trek 450 AW von Lowe Pro ausprobieren und will im Folgenden von den gemachten Erfahrungen berichten. Nach einer kurzen Vorstellung des Rucksacks folgen meine persönlichen Eindrücke und eine abschließende Bewertung im Hinblick auf den oben im Text umrissenen Einsatz, von der mehrstündigen Wanderung bis hin zu Biwaktouren mit wenig Gepäck. Der Testzeitraum umfasste ca. ein halbes Jahr. Darunter war eine zweimonatige Reise durch den Balkan, zahlreiche Tagestouren im Mittelgebirge und das gewöhnliche “ ich-packe-einach-mal-die-Kamera-ein-und-ziehe-los“.

Der FlipSide Trek 450 AW im Überblick.

Ehrlich gesagt waren meine Erwartungen an den Rucksack nicht gerade gering. Schon seit einiger Zeit such ich nach einer relativ Preisgünstigen Möglichkeit die immer umfangreichere Kameraausrüstung auf Trekkingtouren zu transportieren. Schnell wurde mir allerdings klar das ein solcher Rucksack mit genügend Stauraum für mehrtägige Touren, der außerdem noch ein geschütztes Kamerafach bietet, preisgünstig nicht zu haben ist. Deswegen vorneweg: Dies ist kein Rucksack für längere Touren ohne Hüttenunterstützung ! Für was er allerdings ideal ist: Reisen, Tageswanderungen, Shootings bei Events oder Sportveranstaltungen und Biwaktouren mit leichtem Gepäck beispielsweise im Sommer.

Das Außenmaterial des FlipSide Trek 450 AW besteht zu einem großen Teil aus RipStop Gewebe, an den stärker beanspruchten Stellen ( z.B. am Boden ) kommt ein Cordura – ähnliches Material zum Einsatz. Das Gewebe ist wasserabweisend imprägniert, jedoch nicht komplett wasserdicht – dafür gibt es eine Regenhülle die in einem kleinen Reißverschlussfach oben am Tragegriff untergebracht ist. Im inneren besteht der Rucksack aus einem feineren Polyesterstoff, die Kamerafächer sind mit einem weichen, Fleece – ähnlichen Stoff ausgekleidet. Das Kamerafach ist vom Fach für die restliche Ausrüstung getrennt und wird über das Rückenteil via Reisverschluss erreicht. Für mich ein wichtiger Punkt, so kommt kein Schmutz / Nässe / Dreck beim öffnen in die Nähe des Kamerafachs und die wertvolle Ausrüstung bleibt etwas besser vor Umwelteinflüssen geschützt. Außerdem bietet es einen gewissen Diebstahlschutz, da es bei aufgesetztem Rucksack keinen Möglichkeit gibt schnell und unbemerkt über ein Reißverschlussfach an die Kamera zu kommen. Neben den beiden Hauptfächern für Kamera und Ausrüstung hat der Rucksack noch ein Frontfach für Kleinigkeiten wie Kabel, Ersatzakku, Filter . . . auch ein Tablet passt hier gut hinein. Für 13″/15″  Notebooks ist das Fach allerdings zu klein! Im Fach für die persönliche Ausrüstung, das über dem Kamerafach liegt, ist noch eine Netztasche eingearbeitet die Platz für weiteren Kleinkram bietet. An beiden Seiten des Rucksacks können in den elastischen Taschen Trinkflaschen verstaut werden oder beim Transport eines Stativs die Stativbeine für zusätzlichen Halt eingesteckt werden. Weiterhin bieten zwei Taschen auf dem Hüftgurt die Möglichkeit Schlüssel oder Snacks griffbereit zu transportieren. Zahlreiche Kompressionsriemen an den Seiten und der Rucksackfront bieten weitere Möglichkeiten Stativ oder Ausrüstung zu befestigen.

Soviel mal zu äußeren Erscheinung des Rucksacks. Alles macht einen soliden und gut verarbeiteten Eindruck, keine offenen Nähte, die Gurte und Reißverschlüsse laufen satt und ohne ruckeln. Soweit so gut !

Der FlipSide Trek 450 in gepacktem Zustand, hier habe ich das Stativ an der Seite befestigt. Gut zu sehen ist der verstärkte Boden, der die Kamera gut vor Nässe und Stößen schützt. Den Rucksack einfach mal ins nasse Gras oder in den Schnee legen ? – Kein Problem. Wenn es nässer wird würde ich allerdings die Regenhülle überziehen.

Das Rückenteil des FlipSide Trek 450 AW.

Regenhülle. Unauffällig aber mit reflektierendem Logo. Der Sitz ist gut, nicht zu locker aber mit Platz für darunter angeschnallte Trinkflaschen, Stative usw.

Der Flipside Trek 450 AW im Detail.

Das Kamerafach des Rucksacks lässt sich mit den mitgelieferten Trennwänden nahezu nach Belieben unterteilen. Dabei ist das Fach tief genug um eine DSLR mit aufgesetztem Batteriegriff zu transportieren oder um ein voluminöseres Tele ohne Platznot unterzukriegen. Allerdings muss gesagt werden, dass das Fach mit ca. 30cm x 25cm zwar groß genug für “ Standardausrüstung “ ist, für den Wildlifefotografen mit 600er Tele allerdings zu klein sein wird. Die längste Kamera – Objektiv – Kombination die ich im Moment transportiere ist eine Nikon D7200 mit aufgesetztem 70-300er plus Gegenlichtblende – passt perfekt in der Länge, dürfte aber nich arg viel länger sein !

Das Kamera fach, hier ohne Ausrüstung.

Das Rückenteil des Kamerafachs bietet außerdem die Möglichkeit nur die obere Hälfte davon umzuklappen. Ich fand dies unter anderem an windigen / staubigen Orten oder in einer großen Menschenmenge von Vorteil, beides Situationen wo man vielleicht nicht seine komplette Ausrüstung der Umwelt oder den neugierigen Blicken aussetzten möchte. Auf den Bildern ist außerdem zu sehen, dass auf der Innenseite des Deckels drei Fächer für Speicherkarten vorgesehen sind, das sorgt für Ordnung und hält die wichtigen Speichermedien stets am dafür vorgesehenen Ort !

Das Hauptfach für die persönliche Ausrüstung.

Auf der Herstellerseite wir die Aufteilung Kamera zu Ausrüstungsfach als 50 / 50 beschrieben. Auch wenn ich mir unter anderem genau dies erhofft hatte muss ich leider sagen das dies meiner Einschätzung nach so nicht stimmt. Ich würde eher von einer Aufteilung Kamera zu Ausrüstungsfach 70 / 30 sprechen. Für Tagestouren OK, eine Brotzeit und eine Regenjacke passen hinein – arg viel mehr allerdings auch nicht. Wenn ich mehr Platz benötige versuche ich mich bei der Kameraausrüstung auf DSLR mit aufgesetztem Objektive und einem Wechselobjektiv zu beschränken – so bleibt innerhalb des Kamerafachs Stauraum für andere Ausrüstung. Gut ist allerdings das sich das Fach durch den an drei Seiten vorhandenen Reißverschluss fast komplett öffnen lässt. So kommt man gut an die verpackten Dinge und kann auch größere / sperrigere Dinge einfach verstauen. Außerdem bietet es einen guten Überblick über den Inhalt des Fachs.

Das Tablet – Fach im Frontteil des Rucksacks.

Im “ Tablet -Fach “ lässt sich ein mittelgroßes Tablet gut und geschützt unterbringen, aber auch andere Dinge finden gut sortiert Platz. Einschubfächer, Netz, – und Reißverschlusstaschen bieten genügend Möglichkeiten Kleinkram zu sortieren. Allerdings ist das Limit des Fachs recht schnell erreicht, sperrige Gegenstände lassen sich hier schlecht verstauen, noch dehnt sich die Tasche, weder lässt sie sich durch das öffnen eines Reißverschlusses erweitern. Hier wäre durch eine Balgtasche die durch einen Reißverschluss in geschlossenem Zustand flach gehalten wird schnell Abhilfe geschafften – vielleicht bei einer Neuauflage des Rucksacks ?

Eine weitere Möglichkeit das Stativ zu befestigen, funktioniert aber natürlich auch mit Trekkingstöcken, Ski, Angel oder was man sonst noch so braucht. . .

Zusätzlich zu den Staufächern, Hüfttaschen, Kompressionsriemen und vielen anderen Möglichkeiten Ausrüstung zu verstauen bietet der Rucksack noch einige Laschen in die man mittels eingehängtem Karabiner oder durchgeschleifter Schnur weitere, größere Ausrüstungsteile anbringen könnte. So wäre es z.B denkbar eine Iosmatte, ein kleines Zelt oder Tarp zu befestigen – wenn´s mal länger dauern sollte. Das Tragesystem des Rucksacks würde wohl damit fertig werden. Die Schultergurte sind angenehm gepolstert, der Hüftgurt zwar nicht außergewöhnlich gut abstützend aber doch gerade ausreichend und durch das eingearbeitete Kamerafach ist der FlipSide verwundungssteif genug um vollbeladen nicht wie ein nasser Sack am Rücken zu hängen. Außerdem ist das “ active zone “ genannte Tragesystem mit angenehmen, festen Polstern ausgestattet die zumindest ein Mindestmaß an Luftzirkulation ermöglichen.

Zahlreiche Befestigungsmöglichkeiten . . . .

Das Rückenpolster – Sehr angenehm und gelungen wie ich finden.

Auch mit dicken Handschuhen lassen sich die Reißverschlüsse gut bedienen !

Der Tragekomfort des FlipSide 450 AW

Ohne Frage eines der wichtigsten Punkte bei einem Rucksack! Was bringen Fachaufteilung, Materialien und Wetterschutz wenn es überall drückt und zwickt ! Der beste Rucksack ist der den man gern aufhat ! Zum Glück kann man sich hier kurz fassen. Selbst ordentlich vollgeladen trage ich diesen Rucksack gerne einen langen Tag mit mir herum ! Dies kann natürlich total subjektiv sein, deswegen will ich hier keine allgemein gültige Regel ableiten.

Fazit zum Rucksack.

Mein persönliches Fazit zu diesem Rucksack lautet: Absolute Kaufempfehlung wenn ihr einen Rucksack für umfangreicheres DSLR Equipment zu einem angemessenen Preis sucht. Das Preis / Leistungsverhältnis stimmt hier auf jeden Fall! Der Rucksack ist robust, sinnvoll ausgestattet und bietet durchdachte Details wie verlängerte Zipper, Kompressionsriemen an den richtigen Stellen und eine angenehme Passform. Mehr braucht man ( normalerweise ) nicht wirklich ! Und falls sich nun einer fragt wie nun das Problem für die mehrtägigen Touren gelöst wird: Auch nicht anders als bisher. Ich packe die Kamera einfach in ein T -shirt oder Longsleeve gewickelt in das Hauptfach des Trekkingrucksacks oder hänge sie mir einfach um. Wahrscheinlich ist und bleibt das die einfachste, günstigste und leichteste Möglichkeit des Transports über längere Zeit. Und eins darf man nicht vergessen: Auch wenn Kamera und vorallem Objektive teure Anschaffungen sind, so vertragen sie doch einiges! Es sind einfach immer noch Werkzeuge und dafür gemacht auch bei Wind und Wetter zu funktionieren! Also wird es wohl nicht schaden zwischen Ersatzhose, Schlafsack und Essensrationen etwas hin und her geschaukelt zu werden.