Packrafting, viele werden mit diesem Begriff zuallererst wenig anfangen können. Der Sport oder besser gesagt diese Kategorie von Booten und die damit verbundenen Möglichkeiten sind noch relativ neu ( naja wenn man´s genau nimmt so neu auch wieder nicht aber nähere Informationen zur Geschichte des packrafting liest man am besten im offiziellen packrafting blog nach ).

Jedenfalls, wenn man erst einmal die Option hat Flüsse, Seen und andere Gewässer in seine Tourenplanung einfließen zu lassen, liest man Landkarten mit anderem Blick, denkt neue Wege, plant kreativer. Auch ich konnte dem Reiz den so ein leichtes, klein verpackbares und stabiles Boot ausübt nicht Wiederstehen und bestellte nach einigem Überlegen das doch etwas teure Spielzeug. Nach ersten Testfahrten auf dem heimischen Neckar sollte es zum ersten mal auf Tour gehen. Auf der Such nach einer geeigneten Region stieß ich auf das Karwendel. Das Karwendelgebirge ist eine Gebirgsgruppe der nördlichen Kalkalpen und liegt zum größten Teil in Bayern, im Norden wird es vom Lauf der Isar begrenzt. Schnell setzte sich die Idee fest dieses Gebirge von Ost nach West zu durchqueren und den Rückweg auf der Isar zu bestreiten.

Nach einer nächtlichen Autofahrt und einer kurzen Nacht auf der Rückbank machte ich mich noch vor Sonnenaufgang am 22.05.2014 auf den Weg. Das Auto stellte ich auf einem Parkplatz nahe dem Fluß in Vorderrieß ab, entlang des Rießbaches ging es auf der morgendlich stillen Landstraße nach Süden, in Richtung Hinterrieß. Nahe der Oswald – Hütte verließ ich die Straße und folgte dem Schotterweg hinauf in das Tal des Fermasbaches, bis zur Paindlalpe steigt die Schotterstraße steil in mehreren Kehren an doch geht dann bald in einen angenehmen Wanderweg, dem Paindlsteig, über.

Der Steig ist angenehm zu gehen, immer wieder kann man einen Blick auf die noch Schneebedeckten Gipfel werfen. Es ist ein angenehmer, warmer Tag und im Wald kommt man gut voran. Entlang des Steiges gibt es immer wieder neue Ausblicke auf die Karwendelgipfel. An einem kleinen Wasserfall mache ich Rast, fülle die Trinkflasche wieder auf und genieße die Stille Umgebung. Obwohl man im Karwendel nirgends wirklich abgeschieden ist, kommt man sich in der Vormittäglichen Ruhe so vor.

Kleine Rast am Wasserfall

Unterhalb der Bayerkarspitze trifft der Steig wieder auf einen Schotterweg, dem ich bis zur Krinner-Kofler Hütte folge. Hier ist es höchste Zeit für eine Mittagspause, auf dem Schotterweg ist man der Sonne öfters ausgesetzt die nun, zur Mittagszeit hoch am Himmel steht.

Bachlauf bei der Krinner-Kofler Hütte. Willkommene Abkühlung für die Füße

Schon die Aussicht auf ein Mittagessen und eine Rast für die inzwischen recht müden Füße wirken auf den letzten Metern wie ein Extraschub Energie. Seit einigen Kilometern bemerke ich ein leider allzu bekanntes reiben und brennen an den Fersen, ich weiß ich sollte anhalten um die beginnende Blase zu versorgen aber ich will noch bis zur Hütte kommen – leider wird diese Entscheidung unangenehme Folgen haben.

An der Hütte angekommen kühle ich meine Füße im nahen Bach, versorge die Blasen notdürftig und ruhe mich aus. Die nächsten Kilometer geht es Bergab – die langen Märsche durch die Karwendeltäler kenne ich von früheren Touren in der Gegend und mit Unbehagen denke ich an meine Füße, die danach bestimmt nich besser aussehen werden…Vorerst jedoch verschiebe ich die Gedanken und genieße die Pause.

….immer noch ein weiter Weg….

Es hilft jedoch alles nichts – irgendwann muss man eben weiter. Die ersten Schritte sind wie immer die unangenehmsten dann läuft man sich ein und irgendwie geht es dann doch. Langsam komme ich im Tal voran, die Aussicht am Fluß auf der anderen seite in mein Boot zu steigen und nur noch zu paddeln oder mich treiben zu lassen, spornt mich an. Dennoch zieht sich der Weg bis „endlich“ den Verkehrslärm der E533 die Nähe des Talschlusses und den Beginn des angenehmen Teils, der Bootsfahrt, ankündigt. Am Isaarhorn steige ich die Böschung hinab, ziehe die Schuhe aus und baue das Packraft auf.

als das kleine boot im klaren Wasser schaukelt bin ich erleichtert und freue mich auf die nächsten Kilometer…noch

Ich bin zufrieden, den anstrengenden Teil glaube ich hinter mir zu haben. Von nun an könnte ich mich von der Strömung zu meinem Auto treiben lassen, die geplagten Füße ins kühle Wasser strecken und mir die Umgebung anschauen…..auf den ersten Metern klappt das an und für sich auch ganz gut. Die Freude währt bis zum Isaarstausee, kurz vor Krün. Dort muss ich aufgrund des Wehrs den Fluss verlassen und die Stelle Umtragen.

Endlich auf dem Fluss – zum Glück kann man nicht in die Zukunft sehen sonst wäre so manche, wenn auch kurze Freude, doch sehr getrübt….

Der Fluss wie ich ihn mir vorgestellt hatte, klares kaltes Wasser, zügige Strömung und rechter Hand die Berge des Karwendel….

die Issar bei Niedrigwasser….

 

Leider musste ich feststellen das das meiste Wasser im Stausee zurück gehalten wurde. Nach diesem lag das Flussbett oft stellenweise fast trocken, der Strom teilte sich in viele kleine Arme auf von denen viele in ihrem Verlauf zu flach zum befahren wurden. Immer wieder musste ich aussteigen und einen anderen, tieferen Nebenarm finden. Zum fahren zu wenig, zum nass werden aber genug, so entpuppte sich der weitere Charakter des Flusses. Ich war ernüchtert, wenn es so weiterging würde ich wohl biwakieren müssen! Meine Essensvorräte waren aufgebraucht und auch das Trinkwasser ging zur Neige, dazu fühlte ich mittlerweile recht deutlich die Erschöpfung des Tages. Durch die nassen Füße wurden auch die Blasen nicht besser und auf den nun immer häufiger werdenden Gehstrecken verfluchte ich so manches mal meine Unachtsamkeit am Morgen. Irgendwann musste ich der Wahrheit ins Auge sehen und beschloss mich vom Fluss zu verabschieden. Ich setzte mich ans Ufer und aß meinen letzten Proviant, eine Dose Ananas, danach packte ich sorgsam das Boot zusammen und wrang so gut es ging meine Socken aus. Von hier an gibt es auch keine Bilder mehr, immer ein Zeichen das es von dort an wohl wirklich ätzend und zäh wurde. Kurz gesagt, ich schleppte mich also den Fluß entlang in Richtung Auto. Es wurde dunkel aber irgendwann musste es ja mal zu Ende sein! War es dann auch und am Ende konnte ich das Raft sogar noch einmal für wenige Minuten einsetzen. Am Auto zog ich mir, Brotfertig wie ich war, trockene Socken an und feuerte den Rucksack in den Kofferraum. Mein Magen ließ mir kein Zweifel daran das es jetzt dringend Zeit für ein Abendessen wurde. Da ich seltsamerweise kaum mehr müde war trat ich ohne Umschweife, mit einem kleinen Umweg über ein bekanntes Schnellrestaurant mit güldenem Logo, die Heimreise an.

Ich war bedient, im Rückblick ( der ja bekanntlich alles schwere entschärft und alles schöne noch mehr betont ) war es jedoch eine gute Tour und das Erfahren der eigenen Grenzen eine gute Lektion !

Das nächste Mal ziehe ich bequemere Schuhe an….


0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar