Schottland, karges Land im Norden, windumtoste Klippen, Hochebenen wo die Luft noch klar und die Bäche und Flussläufe noch rein sind. Ein gelobtes Land für jeden der etwas Abstand vom schnelllebigen und hektischen Alltag mit all seinen Verpflichtungen und Terminen sucht. Wenn der Tag aus nichts besteht als laufen, essen, trinken, Zelt aufbauen, kochen, schauen hat die Seele Zeit zu Atmen, wird der Kopf frei und die Sinne schärfer.

Am 17.06.2013 geht´s mit dem Billigflieger nach Edinburgh wo ich die den ersten Tag damit verbringe ein billiges Hostel zu finden und die Weiterreise in die Highlands zu organisieren.

Edinburgh

Ja, man ist wirklich in Schottland!

Das erste gestaltet sich dabei schwieriger als das zweite, nichts desto trotz setzte ich nach einer erstaunlich guten Nacht im Mehrbettzimmer im Bus in Richtung Aviemore, meinem Ausgangspunkt am Fuße der Cairngorm Mountains. Ich erwische noch den letzten Bus der mich die schmale Passstraße hinauf zur Skistation bringt, von dort aus setzt ich den Weg zu Fuß fort.

Erster Schnee im abendlichen Aufstieg zum Cairn Gorm

Da es schon Abend ist schlage ich noch am leeren Skihang an einer einigermaßen flachen Stelle mein Zelt auf. Auf dem Weg kreuzte ich schon die ersten Altschneefelder und ich stellte mich auf eine kühle Nacht ein, mit einem guten Essen im Magen und einer Tasse warmen Tees gestaltete sich diese jedoch angenehm, auch wenn der Platz nicht so eben war wie anfangs gedacht und ich mich während der Nacht einige male an der Talseite des Zeltes wiederfand.

Zeltplatz mit Aussicht !

Abendstimmung in den Highlands

Am nächsten Tag ging es weiter, die ersten Munros standen auf dem Program. So nennen die Schotten ihre „Berge“ wenn diese höher als 914,4m, also 3000ft sind. Nachdem ich den Skihang erklommen und meinen Fuß auf den namensgebenden Berg des Cairngorm Nationalparks, des Cairngorm ( was aus dem gälischen übersetzt “ Blauer Hügel “ bedeutet ) eben, gesetzt hatte, ging es über die Höhenzüge weiter zum bekannten Ben Macdui.

Gipfelhügel auf dem Cairngorm.

Die Aussichten in die Täler sind spektakulär!

Der Weg ist zwar Steinig aber gut zu gehen und hat man die Höhe erstmal erreicht bleibt er auf dieser ohne stark anzusteigen oder abzufallen. So kommt man besser voran als gedacht – viel schneller als in den Alpen oder im Allgäu wo Wege viel größere Höhendifferenzen überwinden. Die Landschaft ist karg und steinig. Zwischen den Blöcken sehe ich immer wieder Moorhühner aufflattern, deren „Gesang“ (eher ein Knattern) ihre Anwesenheit meist schon verrät bevor man sie zu Gesicht bekommt. Der letzte Aufschwung zum Macdui ist noch unter Altschnee begraben, am Gipfel treffe ich auf einen einzelnen Wanderer der hinter einer Steinmauer schütz vor dem immer stärker werdenden Wind gesucht hat. Auch ich mache Mittagspause und genieße den Blick in die umliegende Landschaft.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Als ich vom Macdui wieder absteige komme ich an einen kleinen See, den Lohan Uaine, an dem ich mein Zelt aufschlage und, obwohl es erst früher Nachmittag ist, den ersten richtigen Wandertag abschließe. Später kommen noch zwei schottische Wanderer vorbei die ich nach dem Wetter für die nächsten Tage befrage, sie meinen es werde durchweg gut und meinen es sei ein Glück das ich eine so lange Schönwetterperiode erwischt hätte.

Zeltplatz am See bei schönem Wetter.

Zeltplatz am See bei schlechtem Wetter.

Am nächsten Tag regnet es. Ich packe zusammen und mache mich ohne Frühstück auf dem Weg ins Tal. Dort konnte ich in der Karte ein „Bothie“, eine kleine für alle Wanderer und Bergsteiger offene Berghütte, entdecken und hoffte dort einen warmen und vor allem trockenen Platz zu finden. Als ich ankomme machen sich gerade zwei andere Wanderer zum Aufbruch bereit, leider hatten sie kein Feuer im Ofen gemacht und so versuche ich einige Zeit mit nassem Heidegebüsch den Ofen in gang zu bekommen.

Wer mitdenkt trägt immer etwas trockenen Zunder im Rucksack!

Ich bleibe etwas länger als geplant und kann mich erst gegen Mittag zum Weitermarsch entschließen, dieser führt mich das Tal des Derry Burn hinab bis an die Stelle an welcher sich dieser mit dem Lui Water verbindet. Dort steht Bob Scott´s Bothie, ich halte jedoch nicht an sondern wende mich nach rechts. Der Pfad folgt noch eine Weile dem Fluß, überquert diesen dann schließlich und verläuft nun schmäler an der Bergflanke entlang in das Tal des River Dee. Dort wartet am gegenüberliegenden Flussufer das Corrour Bothie, über der Hütte thront der Devils Point – ein weiterer Munro.

Der Weg aus dem Tal hinaus bietet einen ersten Vorgeschmack auf die tieferen Lagen.

Das Tal des River Dee.

Als ich an der Hütte ankomme ist diese allerdings schon belegt und mir zu voll. Deswegen folge ich weiter dem Pfad Talaufwärts, überschreite einen kleinen Pass und schlage dahinter mein Zelt auf. Der Tag war lang, ich baue noch eine kleine Steinmauer zum Schutz gegen den Wind um mein Zelt, koche und lege mich dann früh in den Schlafsack.

Zeltplatz kurz hinter der Passhöhe.

Ein Blick auf die Karte am nächsten Morgen zeigt das ich schon fast wieder die flacheren Gegenden um Aviemore erreicht habe. Ich lasse mir Zeit, steige ohne Rucksack noch auf den Braeriach wo mich leider dichter Nebel umfängt. Nachdem ich wieder am Rucksack bin und etwas gegessen hatte taucht der Weg schon Bald in Kiefernwälder ab die nach dem kargen Hochland eine angenehme Erholung für die Augen darstellen.

Abstieg aus den Highlands.

Caledonian forest!

Die Farben lassen schon den Herbst erahnen….

Immer tiefer windet sich der Weg durch den Glenmore Forest, wird breiter und geht schließlich in eine Schotterstraße über. Die Sonne hat sich auch wieder blicken lassen und so wandere ich bei angenehmen Temperaturen durch den duftenden Wald dem Loch Morlich entgegen. An seinem Ufer liegt ein Campingplatz auf dem ich am Abend mein Zelt aufschlage und gerade noch vor dem nächsten Regenguss hineinkriechen kann. Der Regen hält auch die nächsten Tage an und so beschließe ich am morgen des dritten Tages auf dem Zeltplatz zurück nach Aviemore zu laufen und einen Bus an die Westküste, nach Fort William zu nehmen.

Wasser oder Whisky ?

Wenig motivierender Ausblick…

Dort angekommen heißt das Ziel natürlich Ben Nevis. Er ist mit 1345m der höchste Berg Englands, auch wenn die absolute Zahl wenig beeindruckend ist kann man sich in ihm sehr täuschen! Der Ausgangspunkt liegt nämlich wie Fort William auf Meeresspiegel – Höhe, so das man in den vollen Genuss der 1345 Höhenmeter im Auf,- sowie Abstieg kommt. Die ersten Meter legt man noch auf der Straße C1162 zurück, bis dann am Friedhof des Glen Nevis den Fluß überschreitet und der Bergpfad beginnt. Dieser führt im unteren Teil noch durch Hüfthohe Farnwälder die immer wieder von weißen Punkten gesprenkelt werden – Schafe weiden hier halb von den Farnen verdeckt am Hang den Ben Nevis.

Schaf im Farnwald.

Gepflasterter Weg zum Gipfel – zum Glück wars nicht überall so!

Der Pfad ist gut ausgebaut, wieder kein Hauch von alpiner Ernsthaftigkeit wie man es aus den Alpen gewohnt sein mag. Allerdings sind einige Leute unterwegs – trotz der fortgeschrittenen Zeit. Ich falle mit meinem Übergepäck ( ich trage sämtliche Ausrüstung im großen Trekkingrucksack mit mir mit ) auf und einige mögen sich fragen wozu ich so viel Ausrüstung mitschleppe. Die Antwort findet sich auf halbem Wege. Dort liegt ein See, der „Lohan Meall an t-Suidhe“, an dem ich mein Zelt aufschlage. Der Abend ist warm und sonnig, dank des leichten Windes aber ohne all zu viele Mücken die hier eine wahre Plage sein können.

Der See auf halber Höhe des Ben Nevis.

Sonnenuntergang!

Am nächsten Morgen umfängt mich wieder dichter Nebel, als ich mich auf dem Weg zum Gipfel mache sind nur wenige Menschen unterwegs und diese verliert man schnell in der dichten Suppe. Oben angekommen ist es windig, kalt und nass und leider ohne Fernsicht. Nach einiger Zeit des Wartens auf ein Loch in den Wolken mache ich mich wieder an den Abstieg – und prompt reißen die Wolken auf und geben für einen kurzen Moment den Blick auf ein Stück grünes Tal frei.

Ehrentafel auf dem Gipfel des Ben Nevis.

Der Gipfel – Was für eine Aussicht!

Im Abstieg wirds kurz besser.

Schnell erreiche ich wieder mein Zelt, baue ab und steige den Pfad wieder hinunter. Unten angekommen wende ich mich nach links um dem Glen Nevis Bergauf zu folgen. Ein schöner Weg führt abwechslungsreich durch Weiden, alte Buchenwälder und an verfallenen Mauern vorbei bis zu den Wasserfällen des Water of Nevis. Hier kreuzt auch die Straße den Fluß und Buse bringen Tagestouristen aus aller Welt an die schönen Kaskaden in denen der Fluß unter der Straße hindurch rauscht.

Glen Nevis

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Wasserfall des Nevis – River.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Ich setze meinen Weg nun auf der anderen Talseite wieder in Richtung Fort William fort. Gegen Nachmittag suche ich mir ein weiteres Mal einen Zeltplatz am Wegesrand und verbringe die Nacht trotz der Nähe zur Straße und zum Forstweg ungestört wie in den Highlands. Am nächsten Morgen ist es nur noch ein kurzes Stück Weg durch Fichtenwälder bis zu den Ausläufern der Stadt.

eine letzte Nacht im Zelt.

Von hier aus bringt mich ein Bus wieder nach Edinburgh, von wo am nächsten Tag mein Rückflug abgeht. Auf der Fahrt ziehen weitere schöne Landschaften vorbei und schon wieder schweifen die Gedanken ab, was ließe sich dort draußen wohl noch entdecken, welche Pfade gibt es dort, welche Berge könnte man dort in der Abgeschiedenheit ganz für sich genießen ?

Ich werde nicht das letzte mal in Schottland gewesen sein!


0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar