Wieder ist eine Woche vorbei und wieder haben wir es mit der Bloggerei etwas schleifen lassen, war aber auch nicht einfach mit dem Internet in letzter Zeit…. Inzwischen sind wir in Griechenland angekommen, im folgenden wollen wir berichten, was wir auf dem Weg dorthin durch Albanien erlebt haben.

Wir kamen in Skodra erst am frühen Mittag los, das Zusammenpacken zog sich etwas hin und außerdem wollten wir beide noch ein letztes Mal in den Genuss einer warmen Dusche kommen! Wann wir das nächste Mal dazu Gelegenheit haben werden stand schließlich noch in den Sternen…Unser Ziel für den Tag hieß Tirana, die Hauptstadt wurde von der Tochter des Campingplatzbesitzers in den höchsten Tönen gelobt! Für viele junge Albaner und Albanerinnen ist die moderne Stadt mit ihren Initiativen ein Hoffnungsschimmer auf Albaniens Weg zu einem, den zentraleuropäischen Ländern gleichgestellten Staat. Viele dieser Bemühungen gehen auf den früheren Bürgermeister zurück, der der ehemals tristen und grauen Stadt durch bunte Fassaden ein neues und frisches Aussehen geben wollte, das seinerseits die Bürger aufmuntern und ermutigen sollte. Die Maßnahme schien Erfolg gehabt zu haben, denn heute präsentiert sich die Stadt in Aufbuchsstimmung doch davon später mehr.
Bevor wir Tirana erreichten sahen wir zur linken eine weitere wichtige Stadt der albanischen Geschichte an den Hängen des Skanderberggebirges liegen: Krujë ist eine Art nationales Heiligtum der Albaner. Schon in der Frühzeit besiedelt war die Stadt schon Illyrisch, byzantinisch, osmanisch und albanisch. Schließlich hisste der Nationalheld Skanderberg hier seine Flagge, er gilt als der Gründer der albanischen Nation, da es ihm zum ersten Mal gelang, die Stämme zu einen und siegreich gegen die Osmanen ins Feld zu führen. Den Ort erreichten wir auf einer schmalen Bergstraße, die sich aus er Ebene vor Tirana in die Berge windet. Die Vorstadt war wenig ansehnlich, auch das Zentrum schien schon bessere Tage gesehen zu haben. Einzig das Hotel Panorama, ein massiger Bau, scheint zumindest im Sommer genügend Gäste zu haben um nicht in der grauen Masse unterzugehen. Wahrscheinlich ist dies seiner Lage geschuldet, blickt es doch direkt auf die ehemalige Festung, in der Skanderberg die Grundsteine der Nation legte. Von dieser Festung stehen allerdings nur noch eben jene Grundsteine, innerhalb dieser gibt es jedoch noch ein ethnografisches Museum, welchem wir zuerst einen Besuch abstatten wollten.

Die Ruine mir dem im Inneren errichteten Skanderbergmuseum.

Das Museum informiert ausführlich über Skanderbergs Schlachten. Dieses Gemälde allein benötigte 11 Monate bis zu Fertigstellung.

Wir kamen auch ohne eine Menschenseele zu erblicken ( und ohne irgendwo ein Ticket kaufen zu können ) hinein. In einem historischen Wohnhaus waren Alltagsgegenstände verschiedenster Epochen ausgestellt, auch wurde die Herstellung der traditionellen weißen Filzmützen in einem Film dargestellt. Dann jedoch wurden die Angestellten auf unseren Besuch aufmerksam und erwähnten, dass wir erst am Ausgang zu zahlen hätten. Wir erklärten noch das wir im Moment nur mit der Visa Karte zahlen könnten, worauf uns leider mitgeteilt wurde das dies nicht möglich sei. In der Hoffnung auf eine bessere technische Ausstattung wanden wir uns dem zweiten Museum innerhalb des Komplexes zu, dem prunkvollen und theatralisch anmutenden Skanderbergmuseums. In der Empfangshalle, unter den steinernen Augen einer überlebensgroßen Skanderberg-Statue, wurde uns auch hier gesagt, dass jegliche Art von Kartenzahlung nicht möglich sei. Der nächste Bankautomat wäre am Ende des Basars beim Hotel Panorama…wir schauten etwas enttäuscht – wohl enttäuscht genug um die Meinung des Angestellten zu ändern, denn plötzlich bot er an uns einfach umsonst in das Museum zu lassen! Überrascht nahmen wir das Angebot an und streiften wenig später zwischen den Ausstellugsstücken umher. Von Überbleibseln frühester Besiedlung bis zur Neuzeit gab es die verschiedensten Dinge zu sehen, alles gipfelte jedoch, wie sollte es auch anders sein, in Skanderbergs ruhmreichen Schlachten gegen die Türken.

Als wir, skanderberggesättigt, das Museum verließen, schlenderten wir noch durch das kurze Basargässchen in dem die typische Waren angeboten wurden. Vom Kaffekännchen, über Jogginganzüge mit albanischem zweiköpfigen Adler auf rotem Grund bis zu den traditionellen Filzmützen war alles vorhanden. Schnell waren wir wieder zurück am Auto, das wir auf einem bewachten Parkplatz für 200 leke ( ca. 1,5€ ) abgestellt hatten. Es war Nachmittag und für Tirana schon viel zu spät, so beschlossen wir ans Meer zu fahren um dort die Nacht zu verbringen. Etwas nördlich von Durres, das sich beinahe in gerader Linie von Krujë am Meer befindet, liegt das Kap Rodon. Um dort hin zu gelangen mussten wir eine kleine, mit niedrigem Kiefernwald bewachsene Hügelkette überqueren.

Fahrt nach Kap Rodon.

Obwohl nur wenige Kilometer im Durchmesser machten die Straßenverhältnisse dies zu einem längeren Unterfangen und als wir auf der anderen Seite ankamen dämmerte es bereits.
Da wir nicht in der Dunkelheit nach einem Schlafplatz Ausschau halten wollten, bogen wir auf gut Glück schon vor dem eigentlichen Kap in eine Straße in Richtung Meer ein. Plötzlich ragten halbfertige Hotelbauten und Ferienapartments aus dem lichten, die Küste begleitenden Kiefernwald. Hier wurde kräftig für die zukünftigen Touristenmassen gebaut! Leider, opferte man so wieder einen weiteren Abschnitt unverbauter, naturnaher Küste dem schnellen Geld. Im Moment war es jedoch, bis auf ein schon geöffnetes aber scheinbar so gut wie leeres Restaurant, noch sehr ruhig. Wir fuhren mit dem Bus über die Anlage bis fast zum Strand, genossen den Sonnenuntergang und verbrachten im Anschluss tatsächlich eine ruhige Nacht.

Im Sommer ist hier wahrscheinlich einiges los….

….jetzt aber haben wir den Strand ganz für uns.

Am nächsten Morgen machten wir uns dann schließlich auf in die Hauptstadt des Landes. Die Straße dorthin war als Autobahn markiert und so erhofften wir uns schnelles Vorwärtskommen. In der Tat waren die Straßenverhälnisse erstaunlich gut ohne jedoch die albanische Würze, in Form von entgegenkommenden Eselsgespannen, unbeschilderten Ausfahrten auf Firmengelände und plötzlich auftauchenden Kreisverkehren, missen zu lassen.
Als wir die Stadt erreichten wähnten wir uns fast in einem anderen, heimischeren, Land. Moderne Hochhäuser aus Stahl und Glas, dichter Verkehr und Einkaufszentren prägen in der Innenstadt das Bild.

Der Skanderbergplatz im Zentrum der Stadt.

Die Straßenschluchten Tiranas.

Der Unterschied wird jedoch im Detail sichtbar: Im Park sitzen die alten Männer unter noch älteren Bäumen beim Domino spielen zusammen, in den Nebengassen findet man Basare wo geschäftiges aber doch entspanntes Treiben herrscht und zu den Gebetszeiten kann man durch den lauten Atem der Stadt, kaum wahrnehmbar, die Stimme eines Imam höheren der seine Gemeindemitglieder zu den religiösen Pflichten ruft. Die Stadt selbst ist stark von sozialistischen Plattenbauten geprägt, die unter dem Regime Enver Hoxhas die alten Strukturen ersetzten und denen viele historische Gebäude weichen mussten.

Die alte Gerberbrücke steht heute etwas verloren zwischen den Häusern…

Rund um den Skanderbergplatz finden sich jedoch einige sehenswürdige Gebäude, wie die alte Moschee, welche eine der wenigen noch originalgetreu erhaltenen aus dem 18.-19. Jahrhundert ist, und der Uhrturm, der lange Zeit das höchste Gebäude der Stadt war. Auch das Rathaus und der Kulturpalast sind nicht weit entfernt, außerdem findet sich hier die alte Festung von Tirana die der Kaiser Justinian im 6. Jhd errichten ließ. Auf unserem Weg durch die Stadt fällt aber immer wieder der harsche Kontrast zwischen herausgeputztem Regierungszentrum und einfacher Wohnstraße auf. Auch wenn die Stadt um ein Vielfaches moderner, europäischer ( wobei wir uns immer öfter fragen was eigentlich europäisch bedeutet ) und sauberer wirkt als der Rest Albaniens, kann sie ihr wahres, von der Geschichte geprägtes Gesicht doch nicht ganz verschleiern – und das ist auch gut so!

Cafès gibt es überall zu Hauf und günstig ist es auch!

Die verträumten Gassen im Studentenviertel.

Am Nachmittag besuchen wir noch das Studentenviertel. Hier, wie auch in vielen anderen Vierteln oder Städten auf der Welt, die studentisch geprägt sind, scheint ein frischer Wind zu wehen. Er riecht nach Aufbruch und neuen Gedanken, er trägt den Wunsch nach Anschluss an das zentrale Europa, nach Bedeutung und Wahrnehmung mit sich wie im Meereswind eine Priese Salz die Nähe des Wassers verspricht.
Wie es sich für einen von Studenten bevölkerten Stadtteil gehört, kann man hier aber auch ganz hervorragend Kaffee trinken – und das günstig! Für einen Espresso mit einem Glas Wasser zahlten wir umgerechnet ca. 0,35€.
Bevor wir wieder zurück in das Einkaufszentrum gingen, in dessen Parkhaus wir den Bus abgestellt hatten, statteten wir dem Bunkart – Museum noch einen Besuch ab. Das Museum, das sich in einem ehemaligen Anti-Atom Bunker der Hoxha Regierung befindet, erzählt von der grausamen Unterdrückung, von Polizei und Militärgewalt und ihrer Rolle im Regime. Immer wieder versucht man sich auch künstlerisch dem Thema zu nähern, allerdings wäre es übertrieben hier von einem reinen Kunstmuseum zu sprechen.

Der Eingang zum Bunkartmuseum.

Die Ausstellung will eher informieren und wach halten anstatt künstlerisch zu interpretieren. Allerdings scheint es noch ein zweites Museum zu geben, auf unserer Karte war es eingetragen, das wir allerdings nicht mehr besucht haben. Vielleicht wird dort mehr Wert auf die künstlerische Ader gelegt….Als wir das Museum verließen, gingen bereits die ersten Lichter an und der Abend senkte sich über die Stadt. Wir kauften noch einige Lebensmittel ein und machten uns dann auf in das Abenteuer „ nächtlicher Stadtverkehr in Albanien“. Von verschiedensten Stellen wurde uns sehr bestimmt davon abgeraten nach Einbruch der Dunkelheit unterwegs zu sein. Horrorgeschichten von offenen Gullideckeln, unbeleuchteten Fahrzeugen, Personen auf der Fahrbahn und vielem mehr wurden erzählt. All dies kommt zweifellos vor und wenn man kann sollte man seinen Nerven zuliebe tatsächlich eher bei Tageslicht unterwegs sein ( es gibt kaum funktionierende Straßenbeleuchtung, auch nicht auf der Stadtautobahn…)! Wir fanden es jedoch eher spannend und aufregend in diesem unkontrollierbaren Fluss mitzuschwimmen und wir kamen sicher und ohne Zwischenfall aus der Stadt und wieder an die Küste. Hier entschieden wir wieder das erfolgreiche Rezept vom Vortag anzuwenden und bogen auf eine Stichstraße zum Meer hin ab. Die Straße endete direkt am Strand, rechts und links von zwei jetzt leer stehenden Hotelanlagen begrenzt. Später gesellte sich noch ein slowenischer Camper zu uns und so fühlten wir uns in der doch ziemlich dunklen Ecke recht sicher.

Die slowenischen Nach(t)barn.

Am nächsten Morgen wahren wir früh auf und beschlossen ohne Frühstück bis zu einem geeigneten Platz weiter zu fahren, der neben der Eignung für ersteres auch die Annehmlichkeit einer Toilette bot…Ein solcher war in Form einer Raststätte recht schnell gefunden und so konnten wir wenig später, frisch gestärkt den Weg nach Vlorë fortsetzen. Die Stadt passierten wir nur, unser eigentliches Ziel lang in einem Ort wenige Kilometer weiter südlich. In Orikum soll es eine bedeutende Ausgrabungsstätte geben, die wir uns gerne ansehen wollten. Im Ort, der wie alle Küstenorte zu dieser Jahreszeit, einen ausgestorbenen Eindruck machte, nahmen wir ein kleines Mittagessen zu uns und beschlossen dann doch lieber weiter zu fahren um etwas schneller in den Süden zu kommen. Nach einem Pass, der eine bergige Landzunge überquerte, fiel die Straße dann tatsächlich an eine malerische Felsküste ab.

Am Pass nach Vlorë.

Waren die Küstenabschnitte im Norden und der Mitte Albaniens bis Vlorë flach und von verbauten Sandstränden geprägt, fanden wir uns hier an die kroatische Steilküste erinnert. Sogar die Straße blieb gut und die kleinen Dörfer an ihr machten einen authentischeren und einfacheren Eindruck als die auf den Sommerturismus eingestellten, nördlich des Passes. Am frühem Nachmittag erreichten wir die von der Straße kaum sichtbare, aber tief eingeschnittene Gjipe Schlucht. Wir hatten aus dem Reiseführer von den dortigen Klettermöglichkeiten erfahren und wollten uns nun selbst ein Bild machen. Vorneweg muss gesagt werden, dass, würde es nicht öffentlich im Reiseführer stehen, ich zu diesem Ort hätte schweigen müssen. Er ist einfach zu schön! Und gerade deshalb ist die Gefahr, dass auch diese Perle von Bucht und Strand vor die Säue geworfen wird, so groß! Vom Parkplatz einer einspurigen Straße führt nur ein grober und steiler Weg in ca 20 Minuten hinunter zur Gjipe Bucht.

Unser erster Blick in die versteckte Bucht.

Nach einer ersten Kehre fällt er gleichmäßig, parallel zur Küste hin ab und gewährt schon hier einen verstohlenen Blick auf ein halbmondförmiges Stück feinen Kiesstrand der auf beiden Seiten von schroffen, fast weißen Kalksteinklippen eingeschlossen wird. Kommt man näher, bemerkt man, dass sich hinter dem Strand ein alter Olivenhain befindet, der noch weiter hinten von alten, knorrigen Platanen überragt wird. Die Felswände treten hier trichterförmig immer enger zusammen und bilden so nach wenigen hundert Metern die Steilen Wände der Schlucht. Am Grund dieser Schlucht fließt normalerweise ein Bach in Richtung Meer, der leider zu dieser Jahreszeit kein Wasser führt. Die Felswände an beiden Seiten der Schlucht sind voller Kletterrouten, der Kalkstein ist zum Teil löchrig zerfressen, zum Teil bieten Leisten und Risse Möglichkeiten zu klettern. Es finden sich aber auch Sinterformationen die wie Adern am Fels hinab laufen – etwas, das es bei uns im Kalk nicht ( oder nur sehr, sehr selten und dann in viel kleinerem Ausmaße ) gibt. Einige der Routen ziehen sich über die gesamte Höhe der Wand, ca 100 – 150 m, viele sind aber auch nur 25 – 35m hoch. Da es schon Nachmittag war, hatten wir die Klettersachen im Auto gelassen und erkundeten daher zu Fuß die Bucht. Außer uns waren nur noch ein paar wenige Leute hier, es gab auch einen kleinen spartanischen Campingplatz der allerdings kaum belegt war. Am Strand trafen wir auch ein deutsches Pärchen in unserem Alter, die zum klettern hier waren. Sie empfahlen uns, anstatt auf dem Parkplatz im nächsten Ort, Jalë, zu übernachten. So fuhren wir beide dorthin und verbrachten die Nacht am Dorfstrand. Dieser bestand aus feinem, rundem Kies und in meiner abendlichen Unbeschwertheit fuhr ich einige Meter, mit etwas Schwung, auf den Strand hinauf, der Aussicht wegen …

Am nächsten Morgen war dann gemeinsames Anschieben angesagt, was aber zum Glück problemlos gelang. So machten wir uns, diesmal mit Klettersachen, ein zweites Mal auf in die Schlucht. Schon bald hingen die ersten Expresschlingen in den Bohrhaken und waren die ersten einfacheren Routen geklettert. Nach einer längeren Mittagspause am Strand wollten wir zuerst noch einen Versuch starten, welcher sich dann allerdings etwas im Sande verlief. Stattdessen boulderte ich noch etwas an den Felsblöcke am Strand und wir blieben bis zum Abend, um den Sonnenuntergang im Meer zu bewundern. Irgendwann geht jedoch auch der schönste Tag zu Ende und so machten wir uns auf den Rückweg um wieder in einer anderen Bucht, näher am Wasser zu übernachten.

Klettern und Meer sind eine starke Kombination:-)

Auf dem Weg nahmen wir noch drei weltreisende Mädels mit in den nächsten Ort, die ebenfalls einen Tag am Gjipe Strand verbrachten hatten. Als wir dann im Ort Himarë auf die Strandpromenade fuhren staunten wir nicht schlecht, stand dort doch schon ein schwarzer Campingbus eines großen Stuttgarter Automobilherstellers. Am nächsten Morgen, nach einer kurzen Unterhaltung mit den zwei Stuttgartern, ging es auf der Küstenstraße weiter nach Süden. Wieder waren wir erstaunt über die schöne, unverbrauchte Küste! Das Ziel für heute war Ksamil, ein Ort fast an der griechischen Grenze. Dort gab es einen Campingplatz, der uns schon empfohlen wurde. Als wir ihn allerdings erreichten, fanden wir uns auf einem sehr kleinen, familiären Platz mitten in einem Wohngebiet wieder. Der Platz war sauber, hatte Flair aber uns stand der Sinn eher nach Natur und Küste und so beschlossen wir, uns für das Mittagessen einen schönen Platz am Meer zu suchen. Nach einem Fehlversuch fanden wir auf einer Landzunge die von Olivenbäumen bedeckt war, gegenüber des Dorfes einen perfekten Platz. Etwa fünf Meter vom klaren, blauen Wasser entfernt hatte vor einiger Zeit einmal jemand, wohl in der Absicht darauf ein Haus, ein Ferienapartment oder etwas ähnliches zu errichten, eine Betonplatte gegossen. Auf der Landseite war diese ebenerdig und über einen etwas zugewucherten Fahrwerk zu erreichen, auf der Meerseite ragte sie etwa einen Meter über das abfallende Gelände hinaus und bildete so eine Art Terasse mit Meerblick. Wir fuhren den Bus kurzerhand auf die Plattform, packten Tische und Stühle aus und speisten mit einer Aussicht wie sie ein fünf – Sterne Hotel nicht besser bieten könnte.

Terrasse mit Meerblick.

….mit kleinem aber feinem Privatstrand.

 

Schnell war der Entschluss gefasst, hier auch die Nacht zu verbringen! Den Nachmittag verbrachten wir mit Schwimmen im Meer und süßem Müßiggang. Am nächsten Morgen, nach einer ungestörten Nacht, nahmen wir ein letztes Bad im klaren Wasser und packten, etwas widerwillig vielleicht, unsere Sachen zusammen. So kurz vor der griechischen Grenze trieb es uns aber doch immer mehr nach Süden und so freuten wir uns auch auf das letzte Stück Albanien und die vor uns liegende Grenze! Kurz vor dieser Grenze, am letzten Zipfel Albaniens sozusagen, liegt Butrint auf einem Eiland zwischen einer Lagune und dem Meer. Die historische Ausgrabungstätte wurde schon zu frühsten Zeiten besiedelt, angeblich soll sie nach dem Fall Trojas von ehemaligen Bürgern dieser Stadt gegründet worden sein. Umschlossen von einer hohen Mauer aus riesigen, passgenau und ohne Mörtel zusammengefügten Steinquadern liegt im Inneren eine begrabenen Stadt die in sich Elemente verschiedener Epochen vereint. Am deutlichsten hatten die Römer ihre Spuren hinterlassen und so finden sich alte Villen, Amphietheater, eine Terme, eine Basilika Kirche und vieles mehr. Man kann nur staunen über welches Wissen und über welches Geschick diese vergangenen Kulturen verfügten um solches zu schaffen! Auch kann man ihren Sinn für Proportionen, Raumaufteilung und Qualität der Bauwerke nicht hoch genug achten. Welches heutige Bauwerk wird wohl nach 3000 Jahren ausgegraben werden und, nachdem es vom Staub der Zeit befreit wurde, in seinen Resten einen solchen Glanz ausstrahlen ?!

Wer diese Zeilen wohl geschrieben hat ?…

Auch hier vertrieb uns erst die Dunkelheit und im dunkeln fuhren wir weiter in Richtung Griechenland. Eine kleine, hölzerne Fähre setzte uns über den Kanal, der die Lagune mit dem Meer verbindet.

Die nächtliche Fährfahrt .

Im dunkeln passierten wir ohne Probleme die Grenze zu Griechenland und sahen vor uns die fast schwarze, ebene Fläche des Meeres liegen. Wieder folgten wir unserer Intuition und einer kleinen Straße in Richtung Wasser, auch von einem großen Schild, dass unmissverständlich klarmachte, dass auf folgendem Abschnitt campen nicht erlaubt sei ließen wir uns nicht abschrecken. Dieses Vertrauen wurde belohnt, vor uns erstreckte sich in der inzwischen mondhellen Nacht ein weiter Kiesstrand ganz für uns allein. Zwar tauchten in der Nacht noch zwei Autos auf, sie fuhren aber bald wieder ab und kümmerten sich nicht um uns.

Der erste Morgen in Griechenland.

Frühstück mit Meerblick.

Am nächsten Morgen erwartete uns, es muss schon langweilig werden davon zu lesen, ein weiterer sonniger Tag und blaues Meer. Madeleine ließ sich die Gelegenheit für ein weiteres Bad nicht nehmen und so brachen wir ohne Hast am Vormittag auf um in Igoumenitsa, der nächsten größeren Hafenstadt ein paar wichtige Dinge zu erledigen.

Zum einen wollen wir von hier aus nach Italien übersetzen um von dort wieder nach Norden und somit nach Hause zu fahren. Zum anderen plagten wir uns seit Shkodra mit einer kaputten Zweitbatterie. Sobald sie aufgeladen wurde, gab sie einen Gestank nach faulen Eiern von sich, der das Leben im Bus zunehmend unangenehmer machte. Zellschluss und somit Überhitzung und das einhergehende Ausgasen war die übereinstimmende Diagnose diverser Internetforen und Meinungen anderer Auto – Reisender. Also holten wir im Fährhafen Informationen zu Abfahrtszeiten und Kosten der Verbindungen nach Italien ein und kauften in einer Autowerkstatt eine neue Batterie. Nachdem dies erledigt war fuhren wir ins Landesinnere.

Die Landschaft ist bergig! Immer wieder durchbrechen Tunnel die im Weg liegenden Massive und die Straße steigt beständig an. Dabei sind die Hänge der Berge oft kahl und trocken, dies ändert sich allerdings nach einiger Zeit. Zwar ist noch immer alles sehr trocken, unter die vorher hauptsächlich von Gräsern dominierte Vegetation mischt sich aber immer häufiger der ein oder andere Baum bis schließlich kurz vor unserem Tagesziel Platanenwälder die Niederungen bedecken.

Die Konglomerattürme Meteoras sind unser Ziel.

Und aus diesen Wäldern, deren Laub schon eine gelbe Färbung angenommen und zu fallen begonnen hat, erhebt sich scheinbar glatt und rund das Ziel der Fahrt. Türme, ganze Festungen aus Stein stehen hier am Rand einer großen Ebene, deren Grenzen in blaugrauem Dunst verschwimmen. Wie die runden Panzer überdimensionaler Schildkröten erheben sich diese Felsformationen aus dem Wald, im Alter hat sich auf ihren Kuppen etwas Vegetation angesetzt doch die Flanken fallen unvermindert steil und scheinbar blank in die Tiefe. Dennoch sind diese Felsen Gegenstand schönster Kletterträume denn aus der Nähe betrachtet sind sie alles andere als grifflos. Der Fels ist sogenanntes Konglomerat, in den Stein sind wie in Mörtel Kiesel verschiedenster Größe eingelassen. Von der Erosion freigelegt stehen sie wie kleine Abbilder der Riesenschildkröten aus dem Stein heraus oder bilden dort, wo sie herausgebrochen sind, Vertiefungen, die sich als Griffe oder Tritte zum klettern eignen. Auf einigen der Felsen stehen Klöster und Kirchen die noch bewohnt und bewirtschaftet werden, seit scheinbar ewiger Zeit trotzen die zum Teil kühn an den Abgründe stehenden Bauwerke sowohl dem Zahn der Zeit als auch der Schwerkraft. Diesen spannenden Mix aus Kultur und Klettern wollten wir in den nächsten Tagen erkunden und so steuerten wir zielstrebig einen am Füße der Felsen gelegenen Campingplatz an. Fast verlassen lag er unterhalb der Felsen ,aber eben nur fast. Ein paar wenige deutsche bevölkerten den Platz und so stellten wir uns gegenüber einem roten VW Bus auf, dessen Kennzeichen sogleich Heimatgefühle weckte. Groß waren die Buchstaben ES für Esslingen zu erkennen, wie klein die Welt doch ist.

– TOBI –


4 Kommentare

Moni · 6. November 2017 um 18:48

Mensch, ihr sammelt ja eine Perle nach der anderen auf eurer Tour 😀 Wunderschöne Buchten, Strände, Landschaften und eine spannende Vergangenheit, für mich – und bestimmt auch so manchen Mitleser – immer wieder auf’s neue überraschend und unerwartet. Man weiß einfach viel zu wenig üben den Balkan, wird mir beim lesen immer wieder bewusst…
Konntet ihr die Insel Korfu vor der Küste sehen? Traumhaft schöne Insel und einer unserer tollsten Urlaube. Hach, lang lang isch’s her.

Aber egal, wo ihr hinkommt, ein paar Schwaben (außer euch) treiben sich scheinbar auch in den entlegensten Ecken herum 😀

Genießt die Sonne und das Meer und den schönen Süden, solange ihr könnt … hier erwartet euch nur trübes November-Schmuddel-Wetter und der gerade fertig-genadelte olivgrüne Schal für Madeleine 😉

    T20O15B2I9 · 7. November 2017 um 15:17

    Ja, Korfu konnten wir sehen! Aber auf der Insel waren wir nicht, haben ja nicht ewig Zeit 😉 So langsam merken wir auch hier in Griechenland das der Sommer langsam zu Ende geht….
    Madeleine freut sich schon auf den Schal, wird Sie dann auch brauchen wenn wir wieder da bei sind.
    Grüße, Madeleine und Tobi

Detlev Meyer · 6. November 2017 um 20:52

Hi, verfolge Euren Block regelmäßig. Wie lange seid Ihr noch auf Achse?

    T20O15B2I9 · 7. November 2017 um 15:19

    Wir warten grade auf die Fähre nach Italien, so ca. 2 1/2 Wochen sind wir wahrscheinlich noch unterwegs….je nach Wetterlage in Süditalien.

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