Da waren wir also, etwas reisemüde und gefrustet vom Regen und dem schlechten Wetter der letzten Tage, aber endlich wieder an einem Platz, an dem man zur Ruhe kommen konnte. Wir holten das fällige Frühstück und all die anderen, in der letzten Woche vernachlässigten Dinge, nach und hielten ab und zu Ausschau ob die Rezeption inzwischen besetzt war. Als dies am frühen Nachmittag immernoch nicht der Fall war, beschlossen wir in die Stadt zu gehen. Das Wetter hatte sich gebessert und zwischen den schwächer werdenden Regengüssen gab es immer wieder trockene Phasen, außerdem tat uns die Bewegung nach den letzten Tagen im Bus sehr gut! Sorrento überraschte uns positiv. Die Stadt liegt am Steilufer der südlichen Landspitze, die zusammen mit dem Vesuv und der ihm vorgelagerten, flachen Bucht den halbkreisförmigen Golf von Neapel bildet. Der größte Teil der Stadt lieg auf einem Plateau, das in einer steilen Klippe zum Meer abfällt. Nur eine tiefe und enge Schlucht bietet einen Weg in den am Fuß der Klippen liegenden Hafen. Heute führt eine Straße und eine steile Treppe durch diese Schlucht, früher jedoch bildete diese Lage eine natürlich Festung wie man sie wohl besser nicht hätte bauen können.

Die Stadt auf den Klippen…

Die Altstadt ist durchzogen von engen Gassen, die mit schwarzem Basalt gepflastert sind, die von den Jahren polierten Platten glänzen dunkel in der Nässe des vergangenen Regens. Das Vulkangestein findet sich auch an anderer Stelle in Mauern und Hauswänden. Gesäumt werden die engen Sträßchen von Marktständen und kleinen Läden in denen sich eine sympatische Mischung des typischen Kitschs und Handwerksarbeiten findet. Eine besondere Beziehung scheint man auch hier zum bekannten Limoncello, einem Zitronenlikör, zu haben. Seine sattgelbe Farbe leuchtet uns aus nahezu jedem zweiten Laden entgegen!

Wir verbrachten einige Zeit in der Stadt, kauften ein, tranken Kaffee und genossen den südländischen Trubel. Erst im Dunkeln kamen wir zurück auf den Platz und fanden nun tatsächlich die Rezeption besetzt! Von unserem Platz konnten wir fern am anderen Ufer der Bucht die Lichter Neapels sehen und auch die Shilouette des Vesuvs hob sich dunkel und klar vom Nachthimmel ab.

Der Vesuv bei Nacht

Am nächsten Morgen weckte uns endlich einmal wieder Sonnenschein! Es ist immer wieder erstaunlich wie viel Einfluss die Sonne auf das Gemüt haben kann, denn sofort waren wir wieder guter Dinge, was die Weiterreise anging. Bevor wir abfuhren unterhielten wir uns kurz mit einem Schweizer Paar, dass über Rom nach Süden unterwegs war. Wir tauschten Tipps aus und erfuhren so, dass es in Rom und weiter im Norden noch einige offene Campingplätze geben soll, was unsere Stimmung weiter hob. Die Fahrt nach Pompeii, unserem nächsten Ziel, verlief dann jedoch sehr stockend. Stuttgarter Feierabendverkehr ist die reinste Kaffeefahrt gegen den normalen Wahnsinn im Umfeld italienischer Großstädte. Baustellen, Einbahnstraßen, Parken in zweiter und dritter Reihe, auf der eigenen Spur entgegenkommende Fahrzeuge sind eine Sache. Die Unkenntnis über den Sinn des Blinkers, allgemeine Todesverachtung und die Neigung zu abrupten und spontanen Fahrmanövern die andere. Obwohl wir für die 28 Km von unserem Campingplatz bis Pompeii gute 2 Stunden benötigten, wurde uns so nie langweilig! Man muss sie einfach mögen, die Italiener und ihren Sinn für Unterhaltung.

In Pompeii, das zusammen mit zahllosen andern Kleinstädten eine nahtlose Vorstadt zu Neapel bildet, fuhren wir direkt gegenüber der historischen Ausgrabungsstätte auf einen Campingplatz, der für 5€ auch bewachtes Parken für den ganzen Tag anbot. Nur wenige Schritte entfernt, auf der anderen Straßenseite befand sich der Eingang zum antiken Pompeii. Für 13€ p.P gelangten wir ins Innere der alten Stadt und diese ist wirklich imposant. Das komplette Straßennetz ist erhalten geblieben, auch die Mauern der meisten Gebäude stehen noch und in ihrem Inneren sind Details wie bemalte Wände, Säulengänge, und vereinzelt sogar Einrichtungsgegenstände zu sehen. Auch Mosaike die aus tausenden bunten Einzeltsteinen, zum Teil nur wenige Millimeter groß, zusammengesetzt sind, haben die Jahrtausende unter der Asche überdauert. Leider ist vieles abgesperrt und nicht zugänglich, trotzdem bräuchte man Tage um alles in der riesigen Stadt zu sehen! Besonders beeindruckend waren aber auch die öffentlichen Einrichtungen wie das Forum, ein riesiger Platz der von Marmorsäulen gerahmt wird, die Thermen, Tempel und das Amphietheater. Auch die Atriumhäuser der reicheren Einwohner zeigten in ihren Überreste die Pracht und den Wohlstand den es hier einmal gegeben haben muss.

Der erste Blick auf die Ruinen der Stadt

Im Inneren bewegt man sich auf intakten, 2000 Jahre alten Straßen…

…und durch Gebäude an deren Wänden noch die originale Farbe erhalten ist.

In einem Museum sind außerdem noch Gegenstände der alltäglichen Lebens ausgestellt. Von der tönernen Weinampore bis zum grazilen Trinkglas, der bronzenen Haarnadel bis zur Sperspitze gibt es hier viel zu sehen. Auch die Gipsausgüsse der umgekommenen Menschen sind zu sehen. Von der glühenden Aschewolke und den vom Himmel fallenden Gesteinsbrocken überrascht fand sie der Tod in den alltäglichsten Positionen, schlafend oder an einer Mauer gelehnt sitzend. Es ist grotesk, schauerlich und faszinierend zugleich!

Nachdem wir den ganzen Tag in der Stadt verbracht hatten beschlossen wir, die Nacht auf dem Campingplatz zu verbringen und erst am nächsten Morgen in Richtung Rom weiter zu fahren.
Die Nacht verging regnerisch und am nächsten morgen hatte sich das gute Wetter vom Vortag weitestgehend verzogen. Trotzdem beschlossen wir, dem Vesuv einen Besuch abzustatten. Eine Straße führte bis auf ca. 300 Höhenmeter unter den Gipfel, der jedoch von dichten, grauen Wolken verdeckt war. Je höher wir kamen, desto mehr mischte sich Regen in die Windböhen, die kalte Wolkenfetzen vor sich hertrieben. Oben fanden wir dann ein Ticketbüro vor, das allerdings geschlossen war.

Der Berg kostet also Eintritt, was in mir schonmal ein Grundgefühl verachtender Empörung hervorrief. Wem gehört denn der Berg, der, mit einem einzigen Zucken innerhalb weniger Minuten alles in seinem Umfeld zerstören könnte. Der die Menschen, die heute die Hand aufhalten um sich an dieser Urgewald zu bereichern, morgen in Asche verwandeln könnte? Nur wenige Kilometer weiter liegt der Beweis seiner Überlegenheit, und trotzdem erhebt sich der Mensch und meldet Besitzansprüche an. Aber der Gier liegt keine Ethik zu Grunde und so versucht der Mensch, sich auch an den Dingen zu bereichern, die keinem gehören und die niemand besitzen kann, weil außerhalb der Kontrolle und der Macht der Menschen sind.

Als wir dann an das verschlossene Metalltor klopften, das den Eingang zum Gipfelgebiet versperrte, kam ein mürrischer Mann aus einem Pavilion in dem noch drei weitere Gestalten saßen. Mit einem geknurrten „closed“ machte er kehrt, um wieder in seinem Zelt zu verschwinden, mehr an Erklärung hatte er nicht für uns übrig und wir standen etwas verdutzt da. Da ihn nichts dazu bewegen konnte sich für eine weiterführende Erklärung dem Wind und Regen erneut auszusetzen, machten wir schließlich wieder kehrt. Ehrlich gesagt störte uns die Art der Anweisung viel mehr als diese als solche. Zwar fanden wir noch einen weiteren Menschen, der uns zwar das Selbe sagte, aber es wenigstens erklärte. Der Berg sei in dieser Jahreszeit und vor allem bei einem solchen Wetter für Besucher geschlossen, oben wäre sowieso nichts zu sehen wegen des Nebels….und so weiter. Ein Hinweis am Anfang der Straße wäre jedoch trotzdem nett gewesen, denken wir noch bevor wir wieder umkehren.

Die Straße auf den Vesuv

Wir umfuhren Neapel möglichst weiträumig im immer noch grauen Wetter und kamen an diesem Tag noch bis Sperlonga, einem Küstenort etwa auf halber Strecke von Neapel nach Rom. Nach einigen erfolglosen Versuchen, einen Platz für die Nacht zu finden, bogen wir auf einen weitläufigen Schotterparkplatz unterhalb der Stadt ein. Außer uns hatte noch ein Schweizer Wohnmobil seinen Weg hierher gefunden, sonst war es herrlich still und vor allem regnete es nicht mehr. Wir unternahmen einen Versuch in der Stadt ein Restaurant zu finden, in dem wir endlich mal Pizza essen konnten – allerdings wieder ohne Erfolg. Die Italiener scheinen wenig Eigenbedarf an Restaurants zu hegen oder die wenigen offenen so gut zu verstecken, dass Besucher den Weg zu ihnen nicht finden. Was wir allerdings entdecken, ist, wie schön die kleine Stadt auf dem Hügel ist. Wieder ist die Altstadt von einem ungeordneten Netz aus Gässchen und Wegen durchzogen, rechts und links erheben sich die weiß getünchten Häuser. Ihre Wände, von den Jahrhunderten in alle Richtungen gewölbt und geneigt scheinen sich fast über den Gassen zu schließen, nur ein kleiner Streifen Nachthimmel ist zwischen ihnen zu sehen. Liebevolle Details schmücken die Wände, Türschilder aus bemalten Keramikfliesen, blau gestrichene Fensterläden und mit Muscheln verzierte Hausbacken, Treppenaufgänge und Türrahmen. Nichts scheint hier ungestaltet, nichts zufällig zu sein! Es ist sauber und die Bäume auf den Plätzen sind ordentlich geschnitten, die Hecken gestützt und in Form gebracht. Dabei wirkt es natürlich wie ein erhaltenes Mittelalterstädchen aus vergangenen Tagen. Schnell stand fest, dass wir einen Teil des morgigen Tages noch hier verbringen wollten, um bei Tag mehr zu sehen.

Jeder Zentimeter wird hier genutzt…

An allen Ecken findet man Beweise für die Liebe zum Detail.

Dies taten wir auch – und zwar endlich einmal wieder bei strahlendem Sonnenschein und warmen Temperaturen! Auf einem Platz genossen wir noch einen Espresso bzw. Cappucino und schlenderten durch die Gassen, die jetzt bei Sonnenlicht noch viel farbenprächtiget und lebendiger wirkten. Bevor wir die Stadt verließen, nahmen wir am nahegelegenen Sandstrand sogar noch ein Bad im Meer, wahrscheinlich zum letzten Mal auf unserer Reise!

Nun war der Weg nach Rom nicht mehr weit und am frühen Nachmittag kamen wir auf dem empfohlenen, ganzjährig geöffneten Stadtcampingplatz an. Es ist eine große Anlage die auch Ferienhäuser, Apartments und eben Stellplätze vermietet. Im Sommer ist hier einiges geboten. Es gibt Bars, Restaurant, Pools…..jetzt allerdings war es recht ruhig und vieles hatte geschlossen, was uns aber alles andere als störte.
Den Abend verbrachten wir auf dem Platz und schmiedeten Pläne für den morgigen Tag, an dem wir uns die Stadt anschauen wollten. Wahrscheinlich wurde über keine ander Stadt so viel geschrieben wie über Rom, trotzdem wollen wir hier einige unserer Eindrücke loswerden.
So fuhren wir am nächsten Morgen mit Bus und Stadtbahn in die Innenstadt. Dominiert in der Vorstadt noch die gewohnte profane Architektur, die dem Bedarf nach immer mehr Wohnraum geschuldet ist, wird schon beim verlassen der Stadtbahn klar, wie groß und monumental diese Stadt in ihrem Kern ist. Über die Piazza del Popolo und die sich hinter diesem fächerförmig ausbreitenden Straßen, gelangten wir zur spanischen Treppe.

Piazza del Popolo- unser Eingang in die ewige Stadt.

Hier begann eine der kostenlosen Stadtführungen, dir uns unter anderem am Pantheon vorbei bis in den Vatikan führte. Abgesehen davon, dass man zu jeder Ecke etwas historisch relevantes sagen könnte, erfuhren wir zu vielen der Paläste, Obelisken, Brunnen und Statuen auf dem Weg wissenswerte Details. So viel, dass wir das Gefühl hatten uns am Ende kaum etwas haben merken zu können. Schon bald schwirrte der Kopf von Namen und Jahreszahlen, was allerdings bildlich in Erinnerung blieb war der Vergleich Roms mit einem Kuchen der aus vielen Schichten besteht. Egal wo man gräbt, man findet Lage um Lage Geschichte und je tiefer man kommt desto weiter zurück in der Zeit gelangt man. Doch nicht nur der Blick unter die Erde lohnt sich, das Zentrum Roms ist voller Gebäude aus dem Barock und der Rennaisance mit ihren reich verzierten Fassaden.

Der Trevi Brunnen.

So verging der Tag recht schnell mit staunen und bewundern, vor allem das Pantheon beeindruckte. Seine Kuppel, die einen perfekten Halbkreis abbildet, ist die größte je gebaute in der Antike und auch nach heutigen Maßstäben gewaltig. Die Architekten mussten gewaltig in die Trickkiste greifen um dieses statische Wunderwerk zu vollbringen. So besteht der Beton ( ja, die Römer haben diesen Baustoff erfunden …) im oberen Teil in seinen Gesteinsbestandteilen aus den leichten Tuffsteinen und im unteren Teil aus schwererem Gestein. Auch die Dicke variiert und nimmt nach oben hin ab. Es scheint schier unwirklich, dass so etwas vor so langer Zeit möglich war. Erst am Abend sind wir wieder zurück am Platz und nehmen uns für den nächsten Tag vor, mit den Rädern am Tieber entlang zum Kolosseum und dem Forum zu fahren. Die Fahrt am Fluss entlang in der frischen Herbstluft war angenehm und bot einen andern Blickwinkel auf die Stadt.

Rom ist nicht nur eine Stadt voller Kirchen, auch Brücken gibt es eine nach der anderen…

Auch das Ziel enttäuschte nicht, wieder waren wir einfach nur erstaunt über die gewaltigen Bauwerke, Zeugen einer vergangenen Kultur, die unglaubliches geleistet hat. Allerdings herrschte selbst zu dieser Jahreszeit Volksfeststimmung, wir wollten uns kaum vorstellen wie es hier im Sommer zugehen muss.

Kolossal…..

Obwohl wir „nur“ eine Radtour und eine kleine Runde durch die Stadt unternahmen, waren wir wieder erst am Nachmittag am Campingplatz und beschlossen gleich weiter zu fahren, um nicht noch eine Nacht bezahlen zu müssen. Der nächste, und letzte, Teil der Reise wird uns dann durch die Toskana führen, wir sind schon gespannt was wir dort noch erleben werden.

– TOBI –


1 Kommentar

Moni · 22. November 2017 um 17:20

Wow, das macht wieder Lust auf Entdeckungsreise in Italien! Besonderen Dank für die Beschreibung des alten Pompejj – habe nicht gedacht, dass das Areal so groß ist und noch so gut erhalten!!
Und Sperlonga ist absolut charmant, das hätte mir auch gefallen 😀

Tja, und was die Pizza angelangt: spätestens bei Da Maria gibt“s dann eine besonders leckere, wenn auch nicht mehr auf italienischen Grund und Boden 😉

Nun seid ihr bald wieder zuhause und so sehr ich mich auch auf euch freue, euren Reiseblog werde ich echt vermissen!!!! Habt ihr ganz toll gemacht, vielen Dank, dass ihr uns „mitgenommen“ habt!

Bis bald im Ländle 😀

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