Am Morgen unseres neunten Tages machten wir uns auf den Weg von Povile nach Starigrad-Paklenica, um im Paklenica Nationalpark klettern zu gehen.
Unterwegs machten wir Halt in Senj, wo wir an einem Campingplatz unseren Wassertank auffüllten, das WiFi nutzten und danach noch das hübsche Altstädtchen anschauten. Auf unserer Reise 2015 kamen wir zwar auch dort vorbei, schauten uns damals aber nur die Hafenpromenade an. Ein Fehler, denn der Ort ist wirklich bezaubernd. Eine hübsche Gasse reiht sich an die nächste und eröffnet immer neue Perspektiven. Immer wieder entdeckt man verfallene und leerstehende Häuser zwischen den malerischen bewohnten Häuschen. Das macht den Eindruck dieses Städtchens aber gerade so besonders interessant, da diese „Ruinen“ teilweise wie Kunstwerke anmuten, mit ihren von wildwachsenden Blumen gesäumten Mauern und vielschichtig abbröckelnden Fassaden. Wir hätten uns jedenfalls noch einige Zeit dort aufhalten können, fotografierend, zeichnend oder einfach nur staunend, aber wir beließen es bei einem kurzen Abstecher, da wir ja noch bis zum Nationalpark weiter wollten.

Die Hafenpromenade von Senj

In den Gassen wirkt selbst der Niedergang anmutig und stimmig…

Auf der Weiterfahrt auf der Küstenstraße herrschte ein besonderes Wetter. Im Landesinneren war es gewittrige dunkel und draußen auf dem Meer brach immer wieder die Sonne durch und am Horinzont war das Wasser hell erleuchtet.

Am frühen Abend erreichten wir unser Ziel und erkundigten uns kurz nach Eintrittspreisen und der Umgebung und verbrachten die Nacht dann auf einem Parkplatz an der Straße.
Leider wachten wir am nächsten Morgen bei prasselnden Regen auf, was Tobis Laune auf den Nullpunkt brachte, da er befürchtete, dass aus seinen Kletterplänen auch diesmal nichts werden würde. Glücklicherweise aber blieb es, nachdem wir aufgestanden waren, trocken und so konnten wir uns doch auf den Weg in den Park und auf die Suche nach ein paar schicken Routen für Tobi machen. Ich blieb erstmal auf dem Boden und machte mich wieder mit dem Sichern vertraut.

Gegen Mittag zog es jedoch zu und das Wetter wurde zunehmend stürmisch und regnerisch. So packten wir nach ein paar Stunden zusammen, aber es hatte sich gelohnt!
Leider konnten wir dann aufgrund des Wetters nicht mehr vom Park erkunden, was etwas schade war, da es sicher noch zahlreiche schöne Wanderstrecken gegeben hätte. Außerdem finden sich im Park sehr viele Stellen, an denen die Winnetoufilme gedreht wurden. Das ist sicher auch interessant und sehenswert! Aber uns zog es dann doch lieber weiter, da wir so langsam gerne in die unbekannteren Gefilde vordringen wollen 😉
So machten wir uns dann am Nachmittag auf den Weg Richtung Bosnien-Herzegowina, ca. auf Höhe von Zadar verließen wir die schöne Küstenstraße und begaben uns ins Landesinnere, wo uns die ersten 50 km auf dem Weg von der Küste in die Berge heftiger Seitenwind und Regen zu schaffen machte. Aber zum Glück mag Tobi es bei solch herausfordernder Wetter Auto zu fahren und so trotzen wir dem Unwetter und kamen auch sicher über die Berge. Auf der anderen Seite war das Unwetter überstanden und wir konnten gemütlich bis zur Dämmerung weiterfahren.
Doch wie plötzlich veränderte sich das Land! Eine Stunde zuvor waren wir noch an der touristischen und recht dich besiedelten Küste und hier, im Landesinneren, kam man sich plötzlich vor wie im Niemandsland. Kaum ein Haus zu sehen, nur Bäume, Sträucher, Felsen, Hügel.. Und die Straßenzustände verschlechterten sich zeitgleich. Die Straße, welche auf der Karte genauso markiert war, wie die Küstenstraße, welche in Top-Zustand ist, war übersäht mit Schlaglöchern und Teer-Flicken und Straßenschilder gaben streckenweise ein Tempolimit von 20 kmh an. Es war wirklich, als wären wir hinter dem Hügel in eine ganz andere Welt vorgedrungen. Aber immer wieder hielten wir an, um ein Foto in die weite, herbstlich bunte Landschaft zu machen, in der es sonst kaum Anzeichen menschlicher Existenz gab. Doch was wir bei jedem Mal Aussteigen feststellen mussten: Es war wirklich frisch geworden! Hoffentlich bleibt das jetzt nicht erstmal so… brrr.

Auf der Landstraße in Richtung Bosnien Herzegowina

Ganz bis über die Grenze nach Bosnien schafften wir es nicht mehr, da es langsam dämmerte suchten wir uns am Wegesrand einen Platz zum übernachten. Doch wir sind ernsthaft gespannt: Wenn sich schon das touristische Vorzeigekroatien zum unbekannten Hinterlandkroation so sehr unterscheidet, was erwartet uns wohl in Bosnien, das touristisch ja noch recht wenig erschlossen ist?

-MADELEINE-

Als wir am nächsten Morgen auf das Thermometer im Bus schauen zeigt es erfrischende 3,5°C an, wir beschließen zum Frühstück an einen sonnigsten Platz zu fahren und peilen den Ort Martin Brod auf der bosnischen Seite der naheliegenden Grenze an. Eine Verbindungsstraße mit Grenzübergang war auf der Karte eingezeichnet, zuerst führen wir an dem unbeschilderten Abzweig prompt vorbei und erst beim zweiten Versuch fanden wir die Einfahrt auf das ca. 2,5m breite Asphaltsträßchen. Bald änderte sich die Oberflächenbeschaffenheit jedoch zu grobem Schotter und um uns herum war nichts mehr als Weiden, Wald und Wildnis. Immer steiler werdend und von immer tieferen Spurrillen durchzogen ging es schließlich in engen Kehren durch einen Wald bergab. Platz zum wenden gab es wenig und so folgten wir der Straße bis plötzlich ein kleines Schild am Wegesrand den Grenzübertritt markierte. Wir waren also in Bosnien-Herzegowina ! Tatsächlich spuckte uns der Weg auch in Martin Brod aus dem Wald. Nach dem Überqueren der Una, der Namensgeberin des hiesigen Nationalparks, fanden wir auch einen sonnigen Frühstücksplatz direkt am Fluss.

Die Grenze…

Da es trotz Sonne recht frisch war ( wenn die Nutella im Glas so fest ist das man sie nicht streichen kann ist das ein Zeichen für Temperaturen unter 10°C ) machten wir uns auf den Weiterweg, immer am Fluss entlang fahrend erreichten wir wenig später Kulen Vakuf. Der Ort wird über eine Brücke erreicht und von zwei Festungen überragt. Hier treffen wir auch auf das erste Anzeichen der abwechslungsreichen Geschichte des Landes. Mitten im Ort steht die Sultan Ahmet Moschee die von der osmanischen Herrschaft zeugt.

Die Moschee prägt von weitem das Ortsbild

Straßenhunde werden bald zum gewohnten Anblick werden.

Es mutet sehr sonderbar an durch eine Landschaft zu fahren die nicht wenige Ähnlichkeiten mit einem mitteleuropäischen Mittelgebirge hat und in jedem Dorf ein Minarett stehen zu sehen. Trotzdem scheint das Nebeneinander der Religionen zumindest an der Oberfläche zu funktionieren. Auch wir gewöhnen uns bald an die Mischung von Allgäu-flair und Orient, nur das noch immer wechselhafte Wetter trübt die Stimmung.

Die Straße führt durch eine bergige Landschaft, immer wieder sind weite Abschnitte scheinbar menschenleer, die wenigen Häuser am Straßenrad scheinen verlassen und dem Zerfall preisgegeben zu sein. Unweigerlich verfällt man beim durchfahren dieser Szenerie in eine nachdenkliche Stimmung, das Leben der Menschen scheint hier auf dem Stand von vor 70 Jahren stehen geblieben zu sein. Die Straße, die eine Verbindung zum Puls der Zeit darstellen könnte, ist für viele nur Kulisse. Das Leben hier draußen ist scheinbar entkoppelt von der Entwicklung der Städte, unverändert hart ist die Wirklichkeit und der nur wenige Jahre zurückliegende Krieg scheint noch immer seine bedrückende Schwere auf das Leben zu legen. Stumme Zeugen der schlimme  Jahre trifft man überall an: Einschusslöcher in Hausfassaden, Zerfallene Wohnhäuser und erst halb wiederhaugebaute Behausungen in denen nur das brennen einer Glühlampe, aufgehängte Wäsche oder ein paar Blumen vor dem Fenster signalisieren: Hier ist Leben.

An diese  Tag fahren wir noch bis kurz vor Jajce und halten am Plivsko jezero, einem schönen See der von herbstlichem Wald gerahmt wird. Wir machen einen Spaziergang am See entlang und übernachten auf einem Campingplatz, auf dem wir die einzigen Gäste sind.

Dreiste Katze! Sobald wir die Tür geöffnet hatten landete sie mit einem gezielten Sprung aus dem nichts auf der Fußmatte

– TOBI –

 


2 Kommentare

Oma Erna · 14. Oktober 2017 um 11:21

Schöne Bilder und tolle Berichte. Ich freue mich auf jeden Samstag wenn ich wieder was sehen darf. Opa ist auch immer sehr interessiert. Weiterhin viel Spass. Gruß Oma und Opa.

    T20O15B2I9 · 15. Oktober 2017 um 7:09

    Wow das freut uns wirklich sehr das Ihr so rege mitlest! Es ist auch für uns schön immer mal wieder was von Zuhause zu hören, viele Grüße aus dem sonnigen Süd – Kroatien!

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