Die untergehende Sonne färbt den Himmel und die unter uns liegenden Wolken mit kräftigen Rot und Orangetönen, unglaublich schnell versinkt der rote Ball hinter dem Horizont, die Farben verblassn, werden kühler und weichen schließich der Nacht. Aus dem kleinen Flugzeugfenster ist dieses eigentlich alltägliche Spektakel wieder ganz neu spannend und mit dem neuen Tag der uns erwartet, erwartet uns auch ein neues Land, eine andere Art zu leben und viele neue Eindrücke. Wir fliegen nach Tbilisi, oder Tiflis, der Hauptstadt Georgiens. Doch die Stadt ist nur der erste Stop unserer Reise, von dort soll es nach einigen Tagen mit dem Nachtzug nach Jerewan, Armenien weitergehen. Von dort fliegen wir dann wieder zurück nach Deutschland.

Mit ca. einer Stunde Verspätung landet unser Flug um kurz vor 5 Uhr am Morgen des 21.05.2018 in Tbilisi. Als wir durch die Zollkontrolle in die Wartehalle des Flughafens treten, erwarten uns schon einige geschäftstüchtige Taxifahrer die uns eine Fahrt in die Stadt verkaufen wollen. Wir fahren jedoch schließlich mit einem „inoffiziellen“ Taxi mit. David, so heißt unser Fahrer, hat anscheinend selbst gerade einen Freund zum Flughafen gebracht und hat noch Platz in seinem Auto. Wahrscheinlich, so denken wir uns, werden wir nach 10min schon das erste mal über den Tisch gezogen aber so richtig was dagegen tun können wir auch nicht. Noch haben wir keine Ahnung was ein gerechter Preis für ein Taxi ist. Immerhin ist die Fahrt angenehm und bringt uns durch die noch leeren Straßen direkt zu unserem Hostel. Dieses entpuppt sich eher als Air B&B oder WG mit ständig wechselnden Mitbewohnern. Die Eigentümerin wohnt selbst dort und gibt Yogaunterricht in einem der Räume. Außerdem ist unsere Buchung irgendwie untergegangen und es gibt zu wenige Zimmer, sodass sie uns kurzerhand für eine Nacht in ihr eigenes Zimmer einquartiert. Auch wenn wir zuerst etwas anderes erwartet hatten fühlen wir uns hier doch wohl. Zwar ist unsere Hausherrin selbst Tschechin, denoch haben wir das Gefühl in direktem Kontakt mit jemanem zu sein der das Land und die Leute kennt. Das ist etwas das wir uns für solche Reisen immer wünschen, was aber manchmal schwer zu erreichen ist da man von Einheimischen wohl immer als Tourist gesehen wird. 

In den nächsten Tagen versuchen wir einen möglichst authentischen und kompletten Eindruck der Stadt zu bekommen. Was uns zuerst auffällt, ist wie nah hier Vergangenheit und Zukunft beieinander liegen. In den Nebenstraßen, aber auch immer wieder inmitten moderner Gebäude, bröckelt so manche Fassade, klafft so manches Loch in der baulichen Struktur. Dabei bietet die Stadt durchaus viel sehenswerte Architektur ! Vorallem in den Vierteln der Altstadt lässt sich so manches Jugendstilbauwerk bestaunen, dass noch im Zerfall einen gewissen Charme ausstrahlt. Doch nicht überall zerfallen die alten Gebäude. In vielen der alten, und äußerlich in die Jahre gekommenen Gebäuden finden sich moderne Bars, Cafés oder kleine Läden die mit ihrer Auswahl auch in einem der schicken Szenenviertel in Berlin stehen könnten. Immer wieder überraschen uns diese kleinen, manchmal auch etwas versteckt liegenden Dinge von denen Tbilisi so viele besitzt! Die ganze Stadt lässt sich in so kurzer Zeit mehr erfühlen als wirklich verstehen. Boris Pasternak fand die passenden Worte um diesem Gefühl Ausdruck zu verleihen.

„Malerische Winkel. Die Eisengitter vor den Fenstern der Bel-Etagen geschweift wie Leiern. Der Abend einer südlichen Stadt zieht herauf, Sterne, Duft aus Gärten, Konditoreien und Cafés.“

– Boris Pasternak, russischer Schriftsteller

Die Folgenden Bilder können vielleicht helfen einen kleinen Eindruck der Stadt zu bekommen. Aber es gibt noch viel mehr zu entdecken! Tbilisi und Georgien sollten bei der nächsten Urlaubsplanung auf jeden Fall einen Gedanken wert sein !

Sameba Kathedrale

Sameba Kathedrale in Tbilisi.

Die Sameba Kathedrale ist ein unglaublich beeindruckendes Bauwerk! Es ist die größte Kathedrale in Transkaukasien und erhebt sich auf einem Hügel gelegen über die Stadt. Zwar ist sie bei weitem nicht die einzige sehenswerte Kirche aber wohl die bekannteste und prägend für das Stadtbild. Man kann sie zwar mit dem Bus erreichen, zu Fuß nähert man sich dem Gebäude allerdings auf eine gebührendere Art und Weise. Durch die verwinkelten Gassen und steilen Straßen gehend, schält sich das Bauwerk erst nach und nach aus der sie umgebenden Vorstadt bis man plötzlich vor dem gewaltigen Eingangstor steht! Ein respektvolles Verhalten im Inneren der Anlage versteht sich von selbst!

Botanischer Garten

Der Botanische Garten liegt etwas abseits in einem Seitental, man erreicht ihn entweder durch das Bäderviertel indem man den Straßen immer weiter bergauf folgt oder mit der Seilbahn vom Flussufer aus. An seinem hintersten Ende befindet sich ein schöner Wasserfall, den Weg säumen die verschiedenen Pflanzen des Kaukasus. Der Park empfiehlt sich für all diejenigen, die nach langen und anstrengenden Tagen in der Stadt etwas Abstand bekommen möchten. Auch an heißen Tagen finden sich hier ruhige und schattige Plätzchen. 

Das Bäderviertel

Das Bäderviertel, Abanotubani, liegt am Süd – Östlichen Ende der Altstadt, zwischen der Kura und den Hängen der umliegenden Berge. Hier findet man die berühmten Thermalbäder die der Stadt einst ihren Namen gaben ( Tbilisi bedeutet übersetzt “ Stadt der heißen Quellen ) ihre orientalische Architektur steht im starken Kontrast zum restlichen Stadtbild. Die Thermen können auch heute noch besucht werden, was wir allerdings nicht taten. Vorallem in Verbindung mit einem Besuch des botanischen Gartens beintet sich ein Streifzug durch diesen Stadtteil an. 

Moderne Architektur

 

Schildkrötensee und Ethnologisches Museum

Um einen besseren Einblick in die Geschichte und Kultur, vorallem der Lebensweise der Georgier zu bekommen bietet sich ein Besuch des Ethnologischen Museums an. Es liegt an einem Berghang südlich des Stadtteils „Vake“ und ist über eine relativ gute Straße zu erreichen. Wir wanderten allerdings hinauf, was ebenfalls problemlos möglich war. Für einen geringen Eintritt gelangt man in das Gelände des als Freilichtmuseums aufgebauten Geländes. Auf diesem verteilt stehen verschiedene Gebäude aus unterschiedlichen Epochen, in jedem dieser Gebäude war ein Mitarbeiter des Museums der uns auf englisch die Geschichte, den Zweck des Bauwerks und die einzelnen Besonderheiten zum Bau erklärte. Die Häuser waren liebevoll restauriert, vorallem die kunstvollen Holzschnitzereien waren hier sehr gut zu bestaunen. Für uns hat sich dieser Besuch gelohnt, wenn man etwas mehr über dieses Land erfahren sollte, dann ist dieser halbe Tag den man für den Besuch einplanen sollte gut investiert. 

 

Da wir schon auf halbem Wege den Berg hinaufgelaufen waren, machten wir uns trotz mehrerer spontaner Regengüsse auf den weiteren Weg zum etwas höher liegenden „Schildkrötensee“. Der See ist ein beliebtes Ausflugsziel, hier kann man Baden, Angeln, Boot fahren und am Ufer befinden sich Grillstellen, Tennisplätze und Restaurants. So wie es sich liest ist es leider auch – sehr überfrachtet mit allem möglichen und von Naturgenuss leider keine Spur mehr. Mich würde interessieren ob die namensgebenden Schildkröten noch in dem See leben, ich befürchte allerdings nicht mehr viele! Da uns der See nicht wirklich begeistert machen wir uns auch im Angesicht der immer drohenderen Wolken auf den Rückweg in die Stadt. Zwar kann man den See auch mit einer Gondel erreichen bzw. verlassen aber wir bevorzugen den Fußweg. Verschiedenen Trampelpfaden folgend kommen wir dann auch bald in der Stadt an.

Stadtansichten

Natürlich hat Tbilisi viel mehr zu bieten, oft sind es gar nicht die Dinge die im Reiseführer stehen ( eigentlich nie . . . ) sondern die kleinen Augenblicke und Momentaufnahmen die man “ auf dem Weg“ mitnimmt. So hat auch Tbilisi eine Fülle von Eindrücken hinterlassen, von denen einige wenige in Bildern festgehalten wurden und auch diese geben nur im Idealfall das wieder was man selbst in diesen Momenten gespürt hat. Die folgenden Bilder sind solche Momentaufnahmen aus Tbilisi, ich hoffe sie manchen Lust diese tolle Stadt selbst einmal zu entdecken und Mut den Reiseführer auch mal im Hotel liegen zu lassen!

 

 

 

 


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