Seit ungefähr 2 1/2 Wochen sind wir nun wieder daheim, haben uns wieder in den Alltag eingefunden und schon beginnt der bekannte Schleier die Reise zu übertünchen, der die schönen Zeiten noch mehr hervorhebt, die weniger schönen Erlebnisse und schwereren Zeiten aber gnädig zudeckt und viel weniger schlimm erscheinen lässt. Im Rückblick erschienen die zwei Monate erstaunlich kurz und komprimieren sich auf Erlebnisse und Situationen. Im Folgenden wollen wir kurz einige Gedanken zum Reisen loswerden und eine Art Überblick über das Reisen mit dem eigenen Auto / Camper in der Balkan – Region geben. Natürlich gibt es ( viele ) andere die länger dort unterwegs waren, oder öfter aber trotzdem konnten wir Einblicke gewinnen die es wert sind geteilt zu werden.

Zugegeben – die Vorstellung im eigenen Bus unterwegs zu sein erscheint vielen als der Inbegriff unabhängigen Reisens, von Freiheit und Selbstbestimmtheit. Auch wird sie überall romantisiert dargestellt, man muss nur mal “ Vanlife“ oder “ Roadtrip “ in google eingeben, schon findet man Bilder von Traumlandschaften, Stränden und Buchten mit einem schicken, alten Bus und einem glücklichen Paar das in den Sonnenuntergang schaut. Und ja, es stimmt! Auch wir hatten diese Traum – Momente – aber es sind Momente und müssen auch als solche besonderen Ereignisse gesehen werden. Es sind die Bergspitzen die über die Täler der Reise ragen und an die man sich erinnert aber es gibt auch andere Zeiten.

Wir haben erfahren das die Freiheit, die ein eigener Bus bietet, auch oft mit Zugeständnissen erkauft wird. Man bleibt abhängig, zwar nicht in dem Grade, wie man es wäre, wenn man auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen wäre, aber spätestens nach einer Woche mussten wir Vorräte auffüllen, Frischwasser tanken, Spiritus für den Kocher besorgen . . . natürlich, denkt jetzt so mancher ist, ja klar! Aber obwohl auch uns das klar war, mussten wir feststellen, dass man dadurch dennoch einige Tage zumindest grob voraus planen muss und es einem auch so manches diktiert. Auch waren wir zu einer Jahreszeit unterwegs, die, wenn auch oft noch angenehm warm, sich doch auch sehr herbstlich zeigen konnte. Vorallem abseits der Küste waren die Nächte frisch und mit dem Verschwinden der Sonne kam diese Frische auch in den Bus. Da unsere Standheizung nicht funktioniert, behalfen wir uns des öfteren mit Decken oder warmer Kleidung – nicht schlimm, aber es will bedacht sein, vorallem wenn man vielleicht mit einem normalen Auto unterwegs ist und im Zelt übernachtet. Etwas, das wir auch als ein notwendiges “ Übel “ erfahren haben, hatte wieder mit der Jahreszeit zu tun. Wenn es draußen zu kalt zum gemütlichen Zusammensitzen ist, es regnet oder sonst ungemütlich ist, verbringt man den Abend im Bus – und dieser kann lange werden, wenn es gegen 17:30 Uhr dunkel ist. Gute Bücher mitzunehmen ist ein nicht zu unterschätzender Ratschlag ! Auf was wir uns mit am meisten gefreut haben, wenn wir auf der Reise an Zuhause dachten, ist der Platz, den man selbst in einer kleinen Wohnung hat. Wenn man abends einfach einmal etwas liegen lassen kann, nach dem Essen die Teller nicht sofort für´s nächste Mahl abspülen muss, ein paar Schritte gehen kann . . . . Im Bus hat alles seinen Platz – aber da muss es auch immer wieder hin, sonst ist das Chaos vorprogrammiert. Dieser Zwang, Ordnung zu halten, ist zwar eine gute Maßnahme zur Selbsterziehung, aber mit der Zeit auch oft etwas nervig.

Doch nun zu den schönen Dingen des Lebens auf vier Rädern…wie anfangs erwähnt gibt es diese schönen einsamen Buchten mit leeren Traumstränden, die Bergpässe mit weitem Blick in das Land, die einsamen Plätze zwischen den Hügeln der Toskana . . . das Gefühl unabhängig zu sein, den Bus abzustellen, wo man will, und trotzdem in relativem Komfort zu leben ist, nah dran am Optimalzustand.“ Home is where my Van  is “ könnte man sagen. Auch die Tatsache, mit dem VW Bus reisen zu können, ist für sich genommen schon etwas nahezu Unglaubliches, vorallem in Ländern, in denen der Lebensstandard viel geringer ist als bei uns. Den Reichtum, den Luxus, den wir hier in einem Auto durch die Gegend schaukeln, ist mehr als viele in ihrem ganzen Leben erfahren werden. Dieser Gedanke stimmte mich mehr als einmal nachdenklich, machte mich aber auch dankbar für den Moment und erweckte das Bewusstsein in welch privilegierter Gesellschaft wir leben. Man wird sich seines “ Reichtums“ bewusst, der zum einen in materiellen Dingen liegt, zum andern und viel größeren, aber an der Tatsache, dass zwei Menschen in bestem Alter die Zeit, die Ressourcen und die rechtlichen Möglichkeiten haben, einfach aufzubrechen, zu fahren, wohin sie wollen, ohne sich groß Gedanken oder Sorgen machen zu müssen. Ich finde diese Gedanken machen demütig.

Doch was ist uns auf unserer Reise aufgefallen ? Was kann man über das Reisen auf dem Balkan sagen ? Vorallem eins. Wir hatten niemals Probleme mit den Menschen oder der Kultur, immer waren die Leute freundlich und hilfsbereit. Es wurde uns nichts gestohlen, wir wurden nicht (zumindest nicht wissentlich ) über den Tisch gezogen und fühlten uns auch in den großen Städten stets sicher. Würden wir die Länder des Balkan als Reiseländer empfehlen ? Absolut ! Gerade für den Mitteleuropäer sind diese Länder schnell erreichbar und bieten neben reicher Kultur einzigartige Naturlandschaften und noch immer genug Raum, diese für sich zu entdecken. Wenn man einen gemütlichen Pauschalurlaub erwartet, in dem man die persönliche Komfortzone nur gegen eine andere, mit Meerblick ersetzt, wird man vielleicht enttäuscht. Wer aber ein Land entdecken und mit Menschen in Kontakt kommen möchte, für den werden hier Reiseträume wahr.

Zum Schluss möchten wir sagen, dass wir, trotz mancher Durststrecke, die Reise als eine wunderbare Erfahrung genossen haben und mit vielen neuen Eindrücken, Bildern und Gedanken nach Hause gekommen sind. Unser Blick hat sich geweitet und wir sind wieder ein Stück dankbarer für das was wir haben. Wir sind uns wieder mehr bewusst auf, welcher Inseln der naiven Seligkeit wir hier in Mitteleuropa leben, wie weit weg wir von den wirklichen Problem sind. Sicherlich wird das nicht die letzte Reise mit dem Bus gewesen sein, Ideen und Ziele gibt es zuhauf, wir sind gespannt wo es uns das nächste Mal hinträgt.

Zum Schluss möchten wir uns auch bei all den  Mitlesern bedanken, die unseren Blog verfolgt haben und uns somit auf der Reise begleiteten. Uns hat es jedesmal sehr gefreut, einen Kommentar zu lesen und zu merken, dass es eine Verbindung nach Hause gibt, dass es Menschen gibt, die sich für das, was wir hier erleben interessieren. Vielen Dank dafür.

Wir hoffen wir konnten dem ein oder anderen Lust machen auch einmal aufzubrechen!


1 Kommentar

Flos · 20. Dezember 2017 um 8:37

Huhu ihr zwei,
voll schön geschrieben! Danke, dass ihr uns so ehrlich berichtet. Wir sind auch grade am Träumen von Flos Feuerwehrreise.
Wir freuen uns schon, wenn wir uns mal wieder sehen 🙂
Liebe Grüße aus Sri Lanka,
die Flos

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