Mächtig ragt das Widdersteinmassiv am hinteren Ende des Kleinwalsertals in Österreich in den klaren Winterhimmel, für die letzten Tage des Jahres 2016 ist gutes, klares Winterwetter angesagt also nutzen wir die Gelegenheit um dem Feiertagstrott zwischen Weihnachten und Neujahr zu entgehen. An und für sich ist der Wiederstein weder sonderlich hoch noch schwer zu besteigen, dennoch erscheint er, durch seine freistehende Lage, groß, massiv und abweisend.

Nach einer kalten Nacht die wir in unseren Schlafsäcken neben dem Auto verbrachten, fiel der Start wie immer etwas schwer. Raus aus dem Schlafsack und rein in die kalten Schuhe! Nach einem kurzen Frühstück, Auto umparken und den letzten Handgriffen am Gepäck machen wir uns auf den Weg. Es geht zuerst auf einer breiten Schotterstraße von Baad im Kleinwalsertal zur Bärgunt-Hütte, dann auf einem eigentlich immer noch guten Wanderweg weiter Richtung Widderstein.

Erster Blick auf den Widderstein am Morgen

Nach der Bärgunt – Hütte bedeckt massives Eis den weiteren Weg. Immer wieder ragen Eiszungen über den weg oder Teile des selben sind unter einer dicken Schicht Wassereis verborgen. Langsam geht es nun immer höher hinauf bis wir aus dem Wald hinaus treten und einen ersten Blick auf die Hochfläche erhaschen können. Der Weg windet sich nun einen mit kleinen Büschen und Sträuchern bewachsenen Hang hinauf, auch hier ist er unter der nun dicker werdenden Schneeschicht oft mit Eis bedeckt.

Die Bäche sind durchgefroren !

Auf der Anhöhe des Gemstelbodens machen wir Pause und genießen die ersten Sonnenstrahlen die uns bisher im engen Tal nicht erreichen konnten. Von der geschlossenen, wahrscheinlich privaten, Hütte lassen wir uns ein zweites Frühstück schmecken und begutachten den weiteren Verlauf der Route.

Blick in Richtung Lechtal vom Gemstelboden aus.

Am Einstig des Normalwegs sind wir nicht allein, ein Sologänger der uns schon etas früher am Morgen bei der Rast überholte ist bereits auf dem Rückweg und eine weitere Gruppe, bestehend aus zwei Männern und einer Frau befinden sich im Aufstieg.

Auch wir kommen schnell höher, das viele lose Gestein ist mehr oder weniger fest zusammen gefroren wird jedoch durch den Schnee auch schnell rutschig. Dennoch ist der Weg auch vorhandene Steigspuren gut zu finden und am späten Vormittag erreichen wir den Gipfelgrat.

Süd-Ost Grat

Ein Steinbock genießt die Sonne

Auf dem Normalweg, im Hintergrund ist die Hütte auf dem Gamstelboden zu sehen.

Von dort hat man eine gute Sicht auf das Kleinwalsertal, das Allgäu und wenn man sich umdreht auf die gesamte Breite der Alpen. Berge bis an den Horizont in einem 180° Panorama ! Das Wetter ist sonnig und keine Wolke ist am Himmel zu sehen.

Der Widdersteingipfel

 

Panorama der Alpenkette

Nach einem kleinen Mittagessen machen wir uns wieder an den Abstieg. Wie wollen die Situation nicht unterschätzen, befürchten das die Sonne die am Morgen fest zusammengefrorene Geröllhalde aufgetaut und gefährlicher gemacht hat. Jedoch erweist sich der Abstieg als einfacher wie gedacht, vor allem da wir auch ab ca. der hälfte in eine Schneegefüllte Rinne ausweichen können in der wir auf den Hacken abfahren können und so schnell an Höhe verlieren.

Widderstein im Abendlicht.

Als wir wieder am Einstig stehen ist es erst früher Nachmittag, die Sonne schein und wir fragen uns was wir nun mit dem angebrochenen Tag noch anfangen können. Da wir zwei komplette Kletterausrüstungen mit auf den Gipfel geschleppt hatten, in der Annahme eventuell auch einer der Kletterrouten zum Gipfel folgen zu können, beschließen wir nun anhand des Kletterführers den Einstieg zu den Routen zu finden. Eine Seillänge oder zwei wären am Nachmittag ja vielleicht noch drin gewesen, aber wir können die Einstiege nicht finden. So ziehen wir gegen halb vier wieder ab und machen uns auf den Rückweg.

Kurz vor Einbruch der Nacht erreichen wir den Parkplatz und somit wieder den Startpunkt der Tour, etwas früher als erwartet.

Obwohl wir den ursprünglichen Plan, eine Sportkletterroute zum Gipfel zu folgen, nicht verwirklichen konnten war es eine lohnenswerte und schöne Tagestour an einem der letzten schönen Tage des Jahres. Und wer weiß, vielleicht war es auch genau die richtige Tour zur richtigen Zeit.


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